schlimme Neuigkeiten

Währenddessen war Rea ebenfalls wutentbrannt auf dem Weg - wohin wusste er selber nicht. Eigentlich hatte er jetzt einen Termin, aber den konnte er nicht mehr wahrnehmen; dazu war er einfach zu aufgewühlt. Er nahm sein Handy heraus, schrieb eine kurze SMS und steckte es wieder ein.
Er konnte kaum fassen, was gerade geschehen war. War das seine Lia gewesen, die solche Dinge von sich gelassen hatte? Was sie über Jess gesagt hatte... Das kannte er nicht von ihr. Natürlich wusste er, dass die Zeit, als sie und Jess in der Hand dieses Wahnsinnigen gewesen waren, nicht spurlos an ihr vorbei gegangen sein konnte; und sie hatte auch eine andere Art, damit umzugehen, als Jess. Jess konnte man ansehen, was sie fühlte, und im Gegensatz zu früher hatte sie gelernt, sich mitzuteilen. Entweder ihren Freundinnen, ihm oder Jennifer. Zudem hatte sie wohl jetzt auch wieder ihre  Therapiesitzungen, nach der "Zwangspause"... Jedenfalls war sie offener als Lia. Aber davon abgesehen, hatte Rea nicht gewusst, dass da so ein Hass in dieser steckte - und die Aggression gegenüber Jess? Woher kam sie? War sie so eifersüchtig? Dachte sie ernsthaft, er würde mehr für Jess empfinden? Wie kam sie auf diese Ideen?
Er musste einen kühlen Kopf bekommen, bevor er wieder zurück in die gemeinsame Wohnung gehen konnte, um noch einmal mit Lia zu reden. So konnte das nicht weiter gehen; allerdings wusste er, dass es jetzt noch zu früh war. Dennoch war ihm nicht ganz klar, wohin er jetzt überhaupt gehen wollte. Und er machte sich, natürlich auch - mal wieder - Sorgen um Jess. Wie es ihr jetzt wohl ging? Er konnte es sich denken, vermutlich war sie fertig mit den Nerven. Sollte er eventuell einmal nach ihr sehen? Doch dann ahnte er, dass dies vielleicht keine so gute Idee war. Nicht, nachdem was gerade passiert war; zumal Rea sich denken konnte, dass Jess vermutlich bei Dana und Steffi war, um sich dort trösten zu lassen. Er würde sich momentan einmal zurück halten. Alleine, um die Situation zwischen Lia und sich nicht noch mehr zu verschärfen, wenn diese erfahren sollte, dass er sich mal wieder um Jess gesorgt hatte. Wobei, war das so schlimm? Er verstand es immer noch nicht.
Dann überlegte er weiter, was er jetzt machen sollte, und ihm fielen seine guten Freunde Alec und Sascha ein; vielleicht könnte er mit denen einen guten Schluck heben. Ja, irgendwie war ihm jetzt danach zumute. Er wollte gerade erneut sein Handy aus der Tasche ziehen, um bei Alec anzurufen, als es klingelt.

Erstaunt sah er aufs Display. Jennifer! Von ihr hatte er schon länger nichts mehr gehört, Jess und Lia waren aus dem Krankenhaus entlassen, und ab und an ging Jess auch noch zu Jennifer, um mit ihr zu reden. Aber damit hatte er ja weniger zu tun, also wieso rief sie ihn an? Schließlich ging er an sein Handy, denn es nützte ja nichts, zu rätseln. Jennifers Stimme klang belegt, als sie direkt, und ohne Umschweife fragte: "Rea, ist Lia bei dir?"
Rea war irritiert. Kein "Hallo", überhaupt keine Begrüßung... Und irgendwie machte ihn alleine die Frage schon ein wenig stutzig. Er antwortete: "Nein, is sie nicht. Warum interessiert dich Lia?" Jennifer antwortete mit einer Gegenfrage: "Weißt du denn, wo sie ist?" Rea wurde immer mulmiger zu mute. Was sollte das? "ich denke, bei uns zu Hause. Ich bin nicht mehr da! Wieso fragst du? Was interessiert dich Lia?" "Rea bitte, es ist dringend! Bitte schau nach, ob Lia noch bei euch zu Hause ist. Und ruf mich auf jeden Fall dringend zurück!" Dann legte sie auf.

Rea war mehr als irritiert und besorgt. Er raste zurück. Eigentlich fand er es jetzt noch viel zu früh, so direkt nach ihrem Streit. Davon ab, wenn Lia noch da sein sollte, wusste er überhaupt nicht, was er ihr sagen sollte. Weshalb er zurück gekommen war. Wegen eines kuriosen Anrufes von Jennifer? Ausgerechnet der Jennifer, die Lia so gar nicht leiden konnte? Und dann sollte er diese auch noch zurück rufen?
Egel, jetzt war es zu spät; er war angekommen und schloss die Tür zu seiner Wohnung auf. Er rechnete beinahe damit, Lia vor der Tür zu begegnen, die ihn mit einer Vase, oder ähnlichem "begrüßen" würde... Ein wenig unwohl war ihm schon. Doch vor der Tür war niemand. "Lia?" rief er, doch er bekam keine Antwort. Langsam bemerkte er, dass sie gar nicht mehr da zu sein schien. Rea ging vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer - wobei er sich schon ein wenig wunderte, dass Lia zuvor die Tür zugezogen hatte - und danach ins Bad. Sie war wirklich nicht mehr da.
Im Badezimmer bemerkte er zuerst nichts ungewöhnliches, aber irgend etwas kam ihm trotzdem merkwürdig vor, ohne genau zu wissen, was. Plötzlich knirschte etwas unter seinen Füßen. Rea kniete sich nieder. Der Boden sah eigentlich sauber aus, aber dennoch war da etwas...
Langsam strich Rea mit dem Finger über den Boden - und erstarrte. Das konnte nicht sein. Dennoch wusste er, dass er sich nicht irrte, als er den Finger zu sich zog. Da lag ein klitzekleiner Scherbensplitter in seiner Hand. Er sprang geradewegs wieder auf die Füße. Auch, wenn er nichts weiter sehen konnte, ahnte - nein, wusste - er, was das zu bedeuten hatte. "FUCK", rief er. Dann lief er noch einmal durch die Wohnung, obwohl er eigentlich wusste, dass dies sinnlos war. Lia war definitiv nicht mehr da! Jetzt brach tatsächlich Panik in ihm aus. Er hätte niemals weggehen dürfen! Er wusste doch, welche Gefahr Lia für sich selbst sein konnte! Dennoch hatte er das ebenfalls völlig verdrängt. Sie war so lange "clean" gewesen... Und jetzt war er vermutlich der Grund für ihren Rückfall! Er hätte sich niemals auf diesen Streit einlassen dürfen! Lia hatte furchtbare Sachen gesagt, ja; aber er hätte versuchen müssen, sie wieder in die richtigen Bahnen zu lenken! Er hatte alles nur noch schlimmer gemacht! Vor allem, als er ihr am Ende die Sache mit Jess vor den Kopf geknallt hatte... Verdammt!

Jetzt musste er erst einmal selber wieder einen kühlen Kopf bewahren. Ruhe finden, auch, wenn dies beinahe unmöglich war. Wo sollte er anfangen zu suchen? Wo könnte sie jetzt hingegangen sein? Er wusste es nicht, oder es fiel ihm gerade wirklich nicht ein. Zuerst nahm er erneut sein Handy, und wählte Lias Nummer. Wo auch immer sie war, er hoffte, dass sie ihm vielleicht doch noch die Chance geben würde. sich zu entschuldigen, und ihm sagen würde, wo sie sich aufhielt. Doch damit, was er als nächstes hörte, hatte er nicht gerechnet: Ihr Telefon klingelte. So wie es sich anhörte, kam es aus dem Wohnzimmer? Er ging vom Bad in das selbige und sah es tatsächlich auf dem Sofa liegen. Sie hatte es nicht mitgenommen? Jetzt wurde ihm tatsächlich übel. Er setzte sich aufs Sofa. Sein Kopf war kurzfristig leer. Was sollte er jetzt nur tun? Er hätte niemals gehen, und sie alleine lassen dürfen!
Rea war schon nahe dran, raus zu gehen, und blind die Straßen nach Lia abzusuchen, als ihm gerade noch Jennifers Anruf, von vor ein paar Minuten, einfiel. Irgend etwas hatte sie doch gesagt, was mit Lia zu tun hatte? Sie war es schließlich gewesen, die ihn geradewegs dazu gedrängt hatte, hierher zurück zu kommen. Wusste sie etwas? Er konnte sich kaum vorstellen, dass Lia in dieser Situation ausgerechnet zu Jennifer gehen würde; aber irgend einen Grund, weshalb diese ihn angerufen hatte, musste es doch geben?!

Es nutzte nichts, er musste nun heraus finden, was Sache war. Also wählte er als nächstes Jennifers Nummer. Sie ging direkt nach dem ersten Klingeln dran. Als hätte sie auf seinen Rückruf gewartet: "Und?" fragte sie auch schon direkt, ohne Umschweife. "Sie is nich here. Was is here los?..." Er wollte noch mehr sagen, aber Jennifer schnitt ihm das Wort ab. "Verdammt... Rea, tu mir einen Gefallen. Schau bitte in eurem Schlafzimmer in Lias Schublade, wo ihre Unterwäsche ist, nach, ob du dort etwas findest, was da nicht hingehört." Rea kam Jennifers Verhalten immer kurioser vor. Er hatte jetzt wahrlich andere Dinge im Kopf, als in Lias Unterwäsche herum zu wühlen. Was sollte das? "Was soll ich?..."  begann er, aber wieder unterbrach Jennifer ihn: "Bitte Rea, ich erkläre dir gleich alles, aber bitte tu mir noch einmal diesen einen Gefallen. Schau nach!" Rea verstand zwar gar nichts, und er stand immer noch unter Hochspannung, aber er stand schließlich vom Sofa auf und ging ins Schlafzimmer. Dann schaute er tatsächlich an dem Ort nach, den Jennifer ihm genannt hatte. Er konnte nichts "kurioses" sehen. "Nichts, was ich nich kennen würde... Und nun sag mir, what is going on here! I got other problems!" fügte er noch an, ohne weiter ins Detail zu gehen. Er hatte zwar keine Ahnung, was dieser ganze Mist hier sollte, aber dass Jennifer nichts von Lias derzeitigem Zustand wusste, war ihm auch klar geworden. Jennifer atmete tief durch. "In Ordnung, hör zu, es ist etwas furchtbares passiert, und es hat mit Jess und Lia zu tun.. Vermutlich weiß ich jetzt noch nicht alles, deswegen wäre es gut, wenn du auch hierher kommen würdest. Wir müssen Lia finden, sie hat etwas schreckliches vor! Und dir das am Telefon zu sagen, ist ein wenig schlecht. Komm bitte sofort hierher!" Dann legte sie erneut auf.

Rea erbleichte noch mehr, als er ohnehin schon war. Das zog anscheinend weitere Kreise, als er ahnte. Er machte sich bereits genug Sorgen um Lia, denn er wusste, was sie, mal wieder, getan hatte. Doch da musste anscheinend noch mehr sein; Jennifer hatte sicherlich davon keine Ahnung - und dann fiel ihm ein, dass sie auch Jess erwähnt hatte. Ginig es doch um den Streit zwischen den beiden? Doch wieso sollte er deswegen in Lias Unterwäsche herum wühlen?
Rea verstand gar nichts mehr, und sein Kopf dröhnte. Eigentlich wollte er jetzt nach Lia suchen, doch er hatte ohnehin nicht wirklich eine Ahnung, wo er anfangen sollte. Seine Sorgen wuchsen ins Unermessliche, doch schließlich überlegte er nicht mehr lange, sondern nahm die Schlüssel, schloss die Tür ab und nahm sein Auto, um zu Jennifer zu fahren. Er wollte jetzt endlich wissen, was hier los war. Was wusste Jennifer über Lia, und wieso machte sie es so eilig?
Und steckte mehr dahinter, weshalb Lia ihr Handy da gelassen hatte? Sie nahm es sonst immer mit, überallhin... Lia war nicht Jess; sie hatte, soweit er wusste, noch nie versucht, sich das Leben zu nehmen; aber heute? Nach allem, was passiert war?...

Schließlich war er bei Jennifer angekommen und stieg aus dem Wagen aus. Er raste zu ihrer Wohnung, und diese öffnete schon die Tür. Sie schien ihn bereits erwartet zu haben: "Gut, dass du da bist. Komm rein, Jess ist auch hier. Sie braucht mal wieder Trost... Hat etwas mit Lia zu tun. Hast du eine Ahnung, wo sie sein könnte?" Rea trat in die Wohnung ein. Er sah Jess direkt, die mit eingezogenen Beinen auf Jennifers Couch saß. Sie schien geweint zu haben. Ihm schnürte es die Kehle zu. Er hatte eigentlich gedacht, dass Jess bei ihren Freundinnen sein würde, um sich dort Trost zu suchen. An Jennifer hatte er jetzt ehrlich gesagt nicht gedacht. Und er wusste immer noch nicht, was diese mit Lia zu tun hatte! Aber gut, so wie es aussah, hatte Jess ihr wohl alles erzählt. Wollte Jennifer deswegen von ihm wissen, wie es Lia ging? Aber woher wusste diese, dass Lia eventuell nicht zu Hause sein könnte? Von dem Streit zwischen Lia und ihm konnten weder Jess noch Jennifer etwas wissen. Alles raten nutzte nichts, er musste genauer nachfragen: "What is going on here?" fragte er erneut, an Jennifer gewandt, dann lief er auf Jess zu. Sie wich vor ihm zurück. Rea blickte Jennifer an. Diese stellte sich vor die Couch und sah ihm ebenfalls direkt ins Gesicht: "Hör zu, Rea. Es ist etwas schlimmes passiert. Und es hat etwas mit Jess und Lia zu tun. In erster Linie mit Lia! Wir müssen sie finden! Sie hat etwas wirklich dummes vor! Jess und Lia haben sich gestritten. Was Lia Jess alles an den Kopf geworfen hat, will ich gar nicht wiederholen, ich glaube, darüber müssen Jess und ich uns in Ruhe unterhalten... Aber was noch viel schlimmer ist: Jess hat schon im Krankenhaus etwas mitbekommen, was Lia mit ihrer "Freundin" Valerie besprochen hat. Etwas, was so grauenhaft war, dass Jess sich wohl eingeredet hat, beziehungsweise hat einreden wollen, dass sie es sich nur eingebildet hätte. Aber das hat sie nicht. Valerie hat Jess eine Waffe besorgt, Rea. Eine Waffe, die dazu bestimmt sein soll, ihren Peiniger zu töten! Lia ist besessen davon, sich zu rächen. Und so, wie es aussieht, hilft ihr diese Valerie dabei. Jess war heute Morgen bei Lia und hat die Waffe gefunden. Deswegen solltest du zurück und schauen, ob Lia noch da ist. Und dort, wo du gesucht hast, war die Waff versteckt. Wenn Lia jetzt weg ist, gehe ich davon aus, dass sie das Ding mitgenommen hat, wohin auch immer... Ich hatte die Hoffnung, dass Lia noch da wäre, und du eventuell an sie heran kommen würdest..."

Rea hatte, während Jennifer sprach, diese einfach nur angestarrt. Dann blickte er zu Jess herüber, die sich noch mehr zusammen gekrümmt zu haben schien. Sie wollte ihn wohl nicht einmal mehr anschauen. Hatte sie etwa Angst vor ihm?
Dann kam ihm erst wirklich in den Sinn, was Jennifer gerade gesagt hatte. Lia hatte eine Waffe? Und Jess hatte sie gefunden? Hatte Lia deswegen so furchtbar über Jess hergezogen? Auch ihm gegenüber? War das der wahre Grund gewesen? Auch er war geschockt gewesen, über das, was sie gesagt hatte. Und er hatte vollkommen falsch reagiert. Aber er hatte doch keine Ahnung gehabt... Er konnte es kaum fassen. Das konnte doch nicht wahr sein! Und Moment mal.. Hatte er das richtig verstanden? Jess hatte das schon im Krankenhaus gehört? Er erinnerte sich an den Tag, als diese Valerie bei Lia gewesen war. Als er gegangen war, und die beiden alleine gelassen hatte, hatte Jess geschlafen, jedenfalls hatte es so ausgesehen... Aber dann erinnerte er sich auch daran, dass sie am nächsten Tag diesen erneuten, furchtbaren Anfall gehabt hatte. Einen erneuten Fieberschub, und einen Flashback... Sein Hals war trocken. War das etwa der Auslöser gewesen? Sie hatte ihnen etwas anderes erzählt, und glücklicherweise war Jennifer bei ihr gewesen, um sie zu trösten. Aber wenn sie deswegen den Rückfall erlitten hatte... Ihm wurde noch schlechter, als ohnehin schon.
Dann hörte er eine leise Stimme, sie gehörte Jess: "Rea, es, es tut mir leid... Ich hätte früher etwas sagen sollen.. Wenn Lia etwas dummes tut, dann ist das meine Schuld... Bitte, hass mich nicht..." Sie begann, wieder zu weinen.
Rea steckte ein Kloß im Hals. Auf der einen Seite fühlte er schon so etwas wie leichten Ärger, es war nicht von der Hand zu weisen, dass sie es früher hätte sagen können, wenn sie es schon so lange wusste. Aber gleichzeitig wusste er auch, dass er es ihr vermutlich nicht geglaubt hätte. Nicht hätte glauben wollen! Er musste ehrlich zu sich selber sein; er hatte doch selbst gemerkt, dass etwas mit Lia nicht stimmte. Schon die ganze Zeit! Und ihm fielen auch wieder die Worte des Kommissars ein, nachdem dieser mit Jess, und vor allem mit Lia gesprochen hatte. Er hatte ihn ebenfalls gewarnt - und er hatte seine Worte in den Wind geschossen!
Wenn jemand Schuld an der ganzen Scheiße hier war, dann war ER es!

Langsam schloss er die Augen, öffnete sie wieder und lief zu Jess. Er setzte sich neben sie. Rea sah, dass sie zitterte und zog sie behutsam an sich. "Sch... Hey, wie lange muss ich dich noch sagen, that I don't hate you? Ich konnte dich gar nicht hassen! Und es is auch nicht dein Schuld, okay?" "Aber wenn ich es dir früher gesagt hätte..." "Dann hätte das Lia vermutlich auch nicht davon abgehalten, das zu tun, was sie vorhat! Vielleicht wäre es später dazu gekommen, aber ich denke, niemand hätte sie aufhalten können!" hörten sie Jennifer antworten, bevor Rea es tun konnte. Dieser setzte nach: "Ich furchte, ich hätte dich ohnehin nicht geglaubt..." Dann blickte er Jennifer an: "Was sollen wir jetzt tun?" fragte er, er hatte wirklich keine Ahnung mehr, was er tun sollte. Auch, oder gerade wegen der anderen Sache, die gerade wieder in ihm hoch kam. Ihm traten Tränen in die Augen, er konnte es nicht mehr unterdrücken. "Damn it!" "Rea, was ist los mit dir?" fragte Jennifer, die langsam merkte, dass da noch etwas anderes zu sein schien, das ihn bedrückte. "Rea?" fragte auch Jess und auch aus ihrem Blick sprach Sorge. Rea riss sich wieder zusammen. Er durfte jetzt und hier nicht durchdrehen. Langsam sah er Jennifer ins Gesicht und versuchte, sich zu sammeln. Er atmete einmal tief durch, dann sagte er: "Es is noch mehr passiert... Lia und ich haben uns gestritten", er wollte jetzt und hier nicht zu sehr ins Detail gehen, wo Jess direkt neben ihm saß. Dennoch musste es so wahrheitsgetreu wie nur möglich sein. "Ich bin ebenfalls laut geworden; und es war vermutlich auch nicht alles in Ordnung, was ich ihr gesagt habe... Jedenfalls bin ich gegangen, einfach abgehauen, und habe sie allein gelassen. Es war kurz vor deine Anruf... Als du mir gesagt hast, dass ich zuruck gehen sollte, da wollte ich es zuerst gar nicht. Ich dachte, es war noch zu fruh! Aber dann hatte ich mir schon Sorgen gemacht, und bin natürlich zuruck. Und. ich... ich habe etwas in die Bad gefunden; bevor ich dich zuruck gerufen hatte..." Jennifer schwante übles. Trotzdem fragte sie: "Was hast du in eurem Bad gefunden, Rea?" Auch Jess blickte ihn an. Er schloss die Augen, dann sagte er es: "Es war die Rest von eine Scherbe... Kaum zu sehen, aber ich bin wohl rein getreten..."

Er hörte ein ersticktes Keuchen von Jess. Anscheinend brauchte er nicht weiter zu reden; sie und natürlich auch Jennifer hatten sofort verstanden, was er damit sagen wollte. Trotzdem fragte Jennifer: "War noch etwas anderes zu sehen? Blut, zum Beispiel?" Rea schüttelte den Kopf. "No, aber sie hat vermutlich noch "aufgeräumt", bevor sie gegangen ist... Ich mack mir solche Vorwurfe... Wenn ich nur nich gegangen wäre..." "Hör auf, Rea! Ich sage dir jetzt noch einmal dasselbe, wie Jess bereits zuvor: Weder sie noch du hättest irgend etwas ändern können. Lia ist hochgradig gefährdet. In erster Linie für sich selbst! Und die Entscheidung, sich wieder etwas anzutun, hat sie selbst getroffen!..." Rea blickte sie an. "Ich weiß nich mal wie es ihr jetzt geht! Damn it! Sie konnte halb tot sein!" "Rea, das glaube ich nicht. Es war sicherlich kein Selbstmordversuch. Wenn es das gewesen wäre, dann hätte sie in der Wohnung gelegen! Ich denke, dass sie vermutlich eine innere Spannung abgebaut hat; und anscheinend hatte sie noch Zeit genug, ihre Spuren diesbezüglich zu verwischen. Also kann es nicht so schlimm gewesen sein..." Reas Blicke wurden stechend. Jennifer fuhr fort: "Rea, versteh mich bitte nicht falsch. Natürlich finde ich es schlimm, dass sie anscheinend wieder rückfällig geworden ist. Und wenn das ganze hier ein - hoffentlich - glimpfliches Ende nimmt, dann lege ich dir wirklich nahe, sie entweder dazu zu überreden, sich erneut in Therapie zu begeben - oder sie tatsächlich zwangseinzuweisen. Aber das ist jetzt erst mal das kleinere Problem.  Rea, noch mal - sie hat eine Waffe! Und sie hat vor, einen Menschen zu ermorden; Beziehungsweise Selbstjustiz auszuüben; Rache zu nehmen!" Sie und auch Rea bemerkten, dass Jess zusammen zuckte. Rea zog sie erneut an sich. Jennifer fuhr fort: "Ich denke, uns bleibt nichts anderes übrig, als mit dem Kommissar zu reden. Er muss davon wissen. Wo auch immer Lia jetzt ist. Die einzige Hoffnung, die ich habe ist, dass vermutlich nicht mal die Polizei weiß, wo dieser Kerl sich jetzt aufhält, woher soll es dann Lia wissen? Abgesehen davon könnten sie vielleicht ihr Handy orten?" Rea schüttelte den Kopf: "Sie hat ihr Handy zu Hause gelassen; now I know why..." Jennifer seufzte. "Mist", dann kam ihr wieder in den Sinn, woran sie zuvor schon einmal gedacht hatte: "vielleicht ist sie ja bei dieser kuriosen "Freundin"?"

Rea stand so schnell auf, dass Jess aufschrak. Was war jetzt los? Er sah Jennifer an. Daran hatte er gar nicht gedacht. Ja, vielleicht hatte sie ja nach dem erneuten Rückfall bei ihr Hilfe gesucht? Und erst mal Unterschlupf, ihre geplante Tat betreffend? Wieso hatte er nicht direkt daran gedacht? Vermutlich, weil ihm zuviel im Kopf herum gespukt hatte...
Er musste es heraus finden. "Ruf du die Kommissar an, ich werde ein paar Worte mit diese "Freundin" reden - ich will wissen, woher diese kleine Ratte an eine Pistole kommt! Und was sie Lia for Flohe ins Ohr gesetzt hat! Und vielleicht is Lia noch dort, um sich helfen zu lassen von ihr. Und selbst wenn sie nicht dort is, vielleicht weiß die Kröte mehr..."
Jennifer sah ihn zweifelnd an. "Vielleicht sollten wir das der Polizei überlassen? "Die konnen ihre Job auch machen, ich bin vor ihnen da!" antwortete er, dann ging er zur Tür. "Rea, bitte sei vorsichtig. Wer weiß, zu was diese kleine Mafia-Braut fähig ist - und vielleicht hat sie noch eigene Waffen in ihrer Bude?!" Sorge sprach aus Jennifers Stimme. Auch Jess sah ihm ängstlich hinterher. "Ich pass auf mich auf, kein Angst!" sagte Rea, dann war er verschwunden. Jennifer seufzte. "Das hoffe ich..." sagte sie nur, dann holte sie ihr Telefon, und rief den Kommissar an. Sie berichtete ihm alles, was sie wusste, und versprach ihm, sich zur Verfügung zu halten. Dasselbe galt natürlich auch für Jess. Diese würde noch einige Zeit bei ihr bleiben; sie wollte noch ein wenig mit ihr reden, bevor sie sie schließlich nach Hause fahren würde...

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Christal, 31
Traumland