in Rage...

Rea war auf 180. Er wollte am liebsten jetzt und sofort zu dieser Valerie; diesem Gör, der "angeblich besten Freundin" seiner Lia, die dieser, seiner Meinung nach, diesen verdammten Floh ins Ohr gesetzt hatte! Das konnte doch nur von ihr kommen. Und in welchen Kreisen sich dieses verdammte Mädchen aufhielt, konnte er auch nicht abschätzen. Sie hatte Lia eine Waffe besorgt! In fröstelte es, als er daran dachte. Natürlich wollte er so schnell wie nur möglich zu ihr, aber auch, wenn er vorhin anders gesprochen hatte, war da schon so etwas wie ein mulmiges Gefühl, was langsam in ihm wuchs.
Trotzdem blieb ihm jetzt gar nichts anderes übrig. Schon alleine, um heraus zu finden, ob Lia noch bei ihr war. Er hoffte es inständig.
Dann fiel ihm plötzlich ein, dass er gar nicht wusste, wo sie eigentlich wohnte. Sie war einmal bei ihm gewesen, als Lia noch im Krankenhaus lag, und sie nicht wussten, ob sie, und auch Jess, durchkommen würden. Rea fröstelte es erneut, als er daran zurück dachte. Zuvor hatte er sie auch ein- oder zweimal mit Lia zusammen getroffen; daher kannte er sie, aber er wusste nicht, wo er jetzt hin musste...

Rea setzte sich in seinen Wagen und nahm sein Smartphone heraus. Er begann, auf der Straße einige Seiten aufzublättern. Zumindest kannte er Valeries vollständigen Namen, der ihm glücklicherweise wieder einfiel. Lia hatte ihn einmal erwähnt, und er erinnerte sich noch daran. Es war normalerweise nicht seine Art, anderen Leuten hinterher zu spionieren, aber dieses Mal musste er es tun - und er wollte unbedingt noch vor der Polizei - sprich, dem Kommissar Robert Schmidt, den Jennifer sicherlich bereits kontaktiert hatte, und dessen Leuten - bei ihr auftauchen.
Und so gab er bei einer Suchmaschine Valeries Namen ein, und wartete ein paar Sekunden, die ihm wie Minuten, ja beinahe schon Stunden vorkamen. Er trommelte ungeduldig auf das Display.
Dann gab die Seite schließlich ihre Adresse heraus. Rea kannte die Straße, es war sogar ganz in seiner Nähe. Er startete den Wagen und gab Gas. Es dauerte nicht lange, und er war angekommen. Noch konnte er keine Polizeiwagen hier sehen, das hieß, der Kommissar und seine Leute waren noch nicht da. Rea parkte den Wagen und stieg aus. Dann hetzte er zu der Wohnungstür. In ihm gärte es mittlerweile immer mehr. Er fühlte sich, wie kurz vor der Explosion.
Dann versuchte er, sich noch zusammen zu reißen, und klingelte an Valeries Tür. Diese öffnete nicht sofort, daher wurde er rabiater, und trommelte mit der Faust dagegen.

Diese hatte sich gerade ein wenig von ihren Gedanken gelöst und saß auf der Couch im Wohnzimmer. Sie fuhr hoch, als es klingelte. Wer wollte jetzt was von ihr? Chino konnte es doch wohl nicht sein, der war ja gerade erst mit Lia weg; und da das Versteck ja wohl hoffentlich weit von hier entfernt war, konnte der miese Drecksack ja wohl noch nicht so schnell wieder da sein. Irgendwie fröstelte es sie schon, als sie daran dachte, was er noch alles von ihr verlangen würde... Aber da musste sie jetzt wohl durch. 'für Lia tue ich das!' dachte sie noch. Trotzdem hatte sie keinen Bock jetzt an die Tür zu gehen. Wer da auch immer zu ihr wollte, musste draußen bleiben!
Doch anscheinend hatte sie den Typen da vor der Tür unterschätzt. Sie hörte, wie er anfing, scheinbar beinahe in Rage, an die Tür zu poltern. 'Was ist das denn für ein Arsch?' dachte sie genervt. Aber was, wenn es wirklich Chino war? Vielleicht war was schief gelaufen, mit Lia?
Valerie machte sich doch Sorgen, außerdem ging ihr das Gepolter doch dezent auf die Nerven. Also stand sie schließlich seufzend auf und lief zur Tür. Sie öffnete diese und blökte, noch bevor sie registriert hatte, WER da vor ihr stand: "Was soll dieser Lärm, verdammt noch mal..."

Weiter kam sie nicht. Rea hatte sich nach vorne gedrängt, und schob Valerie geradewegs in den Flur. Dann knallte er mit dem Fuß die Tür hinter sich zu.
Valerie war perplex. Sie erkannte Rea erst jetzt, aber irgendwie auch nicht. So hatte sie Lias Freund ja noch nie erlebt - wobei, so oft hatte sie ihn jetzt auch noch nicht gesehen; vielleicht ein- oder zweimal in einem Café zusammen mit Lia, und das eine Mal, als sie bei ihm gewesen war, um von ihm zu erfahren, was mit Lia geschehen war... Da war er aber gelinde gesagt, nicht annähernd so drauf gewesen, wie jetzt. Und Valerie war nicht auf den Kopf gefallen, irgendwie schwante ihr gerade übles.
Er wusste es! So wie es aussah, wusste er es - also war diese kleine Nutte bei ihm gewesen; so, wie sie es sich bereits zuvor gedacht hatte. In ihr stieg auch wieder Wut hoch, als sie an Jess dachte, die schließlich an dem ganzen Scheiß hier Schuld hatte!
Aber egal, was Rea jetzt mit ihr anstellen würde, von ihr erfuhr er gar nichts! Im Grunde war es auch egal - sie wusste ja ohnehin wirklich nicht, wo sie gerade war. Chino sollte es ihr auch gar nicht erzählen. Sie wollte definitiv nicht wissen, wo dieses Versteck, in das Lia gebracht wurde, war. Und was das andere anging: Da würde sie lügen, bis sich die Balken bogen... Immerhin hatte er garantiert keine Beweise - nur die Worte einer kleinen Bitch, die alles mögliche erdacht haben könnte, oder einem Wahn verfallen war...

Rea hatte sie in den Flur hinein geschoben, und sein Gesichtsausdruck sprach Bände. Er musste sich gerade selbst zügeln, sonst hätte er dieser miesen Göre am liebsten gleich eine rein gepfeffert. Aber so weit durfte er es nicht gehen lassen, dass wusste er schon.
Dann fragte er gerade heraus, durch die Zähne knurrend: "Where is Lia? Wo ist Lia?" Er hielt sie an den Armen fest, und bevor sie in der Lage war zu antworten, rief er laut und dröhnend durch die Wohnung: "LIA?? LIA ARE YOU HERE?"
Valerie versuchte, sich aus dem Griff zu befreien, doch er war zu stark: "Rea, hast du sie noch alle? Was soll das??" Natürlich wusste sie, was das sollte, doch noch wollte sie nicht klein beigeben. "Du tust mir weh! LASS MICH LOS!! Im übrigen habe ich keine Ahnung, wovon du redest - was sollte Lia hier? Wenn jemand wissen müsste, wo sie ist, dann bist das doch wohl du, oder?..."
Weiter kam sie nicht, Rea hatte sie vor eine Wand geschoben, und seine Augen funkelten wirklich gefährlich. Er ließ sie tatsächlich los, aber seine Augen fokussierten sie, und er stand so vor ihr, dass sie nicht an ihm vorbei kam. Dann versuchte er, sich wieder ein wenig zu beruhigen. Ihm fiel auch wieder ein, dass er nicht wusste, ob sie eventuell bewaffnet sein könnte. Er musste aufpassen!
Dennoch war ihm momentan Lia wichtiger als sein eigenes Wohl. Noch konnte er auch keine Waffe irgendeiner Art an ihr entdecken. Er schaute sich noch einmal dezent um, ohne Valerie aus den Augen zu lassen, und registrierte, dass alle Räume, die sich in seiner Nähe befanden, offen einzusehen waren. Einschließlich der Toilette. Sehr groß war Valeries Wohnung nicht, also konnte Lia nicht hier sein. Was allerdings nicht heißen musste, dass sie es nicht gewesen war.

Er fokussierte sie erneut und fragte, noch einmal, mit immer noch bebender Stimme: "Ich will von dich wissen, wo Lia ist! She was here! I know it!" Valerie gab ein gehässiges Lachen von sich: "Ach ja? Woher willst du denn wissen, wo Lia war, wenn du sie nicht gesehen hast? Bist du Hellseher, oder was? Sie ist nicht hier, und sie war nicht hier! Und wenn du mich jetzt nicht augenblicklich in Ruhe lässt - dann rufe ich die Polizei!" Dieses Mal war Rea derjenige, der laut lachen musste, auch, wenn ihm so gar nicht zum Lachen zu mute war: "Die Polizei - die is schon auf die Weg hierher, denk ich.. Musste nicht mehr so lange dauern, bis die ankomm..." Er sah, wie Valerie leicht zusammen zuckte. Das trieb ihm ein kleines Lächeln ins Gesicht, dann wurde er wieder ernst. Sein Adrenalinspiegel war immer noch extrem hoch: "Hör gut zu.. Ich will von dich wissen, wie du an eine damn, fucking Waffe kommst?! In was for Kreisen treibst du dich rum? Und in what for damn Shit ziehst du Lia da rein? God damn it! Hast du eine Ahnung, in was for eine Gefahr sie schweben konnte? Sag mir wo sie is, NOW!" Er war zum Schluss wieder lauter geworden.

Valerie hatte sich wieder im Griff. Sie sah ihn an und antwortete, so beherrscht und ruhig, wie sie nur konnte: "Ich habe keine Waffen! Aber ich kann mir denken, wer dir diesen Scheiß erzählt hat! Diese kleine Nutte, oder? Die bei Lia war, und mit der Lia eine kleine Auseinandersetzung gehabt hat... Glaubst du der etwa? Die ist doch völlig behämmert - nicht nur von der Entführung; die war das doch vorher schon..." Weiter kam sie nicht. Rea hatte sich wieder weiter zu ihr geschoben und stand jetzt beinahe Auge an Auge mit ihr. Langsam bekam Valerie doch ein wenig Angst...
Rea knurrte sie an, mit einem immer dunkler werdenden Tonfall: "Hat sie diese Shit mit Jess von dir? Hast du ihr eingeredet, was sie zu ihr sagen soll, bei uns, at home? I warn you, Valerie! Leave Jess alone! Und was Lia angeht: Ich will jetzt von dir wissen, wo sie ist! Sie hat sich vor nich allzu long time geritzt! Und ich bin mir sicher, dass sie here gewesen is, um sich helfen zu lassen - und when das so war; dann weißt du auch verdammt good, where she is now! ALSO SAG'S MIR!"

Valerie tat so unschuldig, wie sie nur konnte, und schaute völlig geschockt aus der Wäsche: "Sie hat sich wieder geritzt? Oh mein Gott.... Das kann doch nur diese ... diese Jess Schuld sein. Nach dem Streit mit ihr war Lia echt fertig. Ich weiß nicht, was dann passiert ist, ich musste gehen. Aber danach habe ich sie nicht wieder gesehen! Wohin sie auch immer gegangen ist - zu mir jedenfalls nicht! Und jetzt lass mich vorbei!"
Valerie hatte die Faxen endgültig dicke. Sie trat plötzlich, und ohne Vorwarnung,  gegen Reas Schienbein, der damit jetzt nicht gerechnet hatte, und erst einmal weg sackte. Valerie nutzte die Gelegenheit, und schob sie an ihm vorbei, zuerst in der Absicht, zur Tür zu kommen, und um Hilfe zu rufen. Sie wollte es so aussehen lassen, als ob er sie hier bedrängte. Oder sollte sie ins Wohnzimmer, und Chino anrufen? Ihn, oder einen anderen "Freund" um Hilfe bitten? Der Plan kam ihr beinahe noch besser vor, und so versuchte sie in eben dieses zu flüchten - doch Rea hatte sich wieder in der Gewalt. Er stob Valerie hinterher, noch bevor diese ins Wohnzimmer fliehen konnte. Und er sah etwas, was ihm zuvor nicht aufgefallen war: Auf einem kleinen Tisch lag Verbandszeug und eine Schere. Auch Valerie bemerkte es, als sie seinen Blicken folgte. Verdammt, sie hatte vergessen, den Mist wieder in den Verbandsschrank im Badezimmer zurück zu packen. Wozu auch, war ja auch nicht so wichtig gewesen. Dachte sie jedenfalls...

Jetzt war klar, dass Rea ihr die Lüge, bezüglich Lia, nicht mehr abkaufen würde. Wozu brauchte SIE Verbandszeug? Zu Lia passte es....
Rea dachte selbstverständlich dasselbe. Er packte Valerie erneut an den Armen: "Verbandszeug? Bleibst du dabei, dass Lia nich here gewesen ist?" Valerie schüttelte den Kopf, auch, wenn die Lage beinahe aussichtslos schien: "Ein Freund war hier, der Hilfe brauchte. Muss ja nicht immer Lia sein, die mal verarztet werden muss, oder?" fragte sie, beinahe trotzig.
Rea lachte verächtlich, dann wurde er wieder ernst: "Damn it, Valerie; verkauf mich nicht for dumm! Das bin ich nicht! Maybe sometimes a little bit naiv; vor allem, was Lia anging; da wollte ich nicht glauben, was for andere vermutlich offensichtlich war... Aber jetzt weiß ich es - und ich will jetzt wissen, WHERE SHE IS!" - und mit dem letzten Aufschrei hatte er sich wieder auf sie geworfen, und sie gegen die Wand geknallt. Valerie schrie auf.

In diesem Augenblick geschah einiges gleichzeitig. Sie hörten beide ein lautes Geräusch an der Tür - und wenige Sekunden später standen Polizisten in der Diele. Und der Kommissar, Robert Schmidt, stand vor ihnen. Er hielt eine Pistole schussbereit, und richtete diese in Reas Richtung: "Mr. Garvey - Rea - ich möchte nicht schießen, aber wenn ich es muss, bin ich bereit dazu... Bitte lassen Sie die Frau los!" sagte er, so ruhig wie es ihm möglich war, und gab den anderen den Befehl, ihre Waffen sinken zu lassen. Diese taten, wie ihnen befohlen wurde, aber in ihren Gesichtern war die Anspannung durchaus zu lesen.
Rea wurde gerade erst bewusst, was er da tat, beziehungsweise, wie das wirken musste. Er war so wütend. In ihm brodelte es immer noch, und je mehr dieses Gör log, was so offensichtlich war, desto wütender wurde er. Dennoch wusste er, dass er sich nicht gehen lassen durfte. Er wollte sich nicht auch noch strafbar machen!

Langsam ließ er Valerie los, und hob die Arme. Dann wich er mehrere Schritte zurück. "I leave her alone", sagte er, an den Kommissar gewandt. Dieser nickte und steckte die Waffe ein. "Gut, dann vergessen wir das ganze hier einfach", antwortete er, und gab seinen Leuten erneut ein Zeichen. Valerie war damit überhaupt nicht einverstanden: "WAS? Sie haben doch wohl gesehen, was dieser Kerl hier mit mir angestellt hat! Wer weiß, was der mit mir machen wollte - der ist einfach über mich hergefallen, als ich die Tür geöffnet habe - an die er übrigens wie ein Wahnsinniger getrommelt hat!..." wollte sie anfangen, als sie roh unterbrochen wurde: "Ich weiß, dass Lia here war! Sehen Sie die Verbandszeug da?" fragte Rea, an den Kommissar gewandt.
Dieser blickte zum Tisch herüber, und nickte. "Sicher... Und Sie meinen, dass das für Lia bestimmt war?" fragte er Rea. "For wen denn sonst?" antwortete dieser.
Valerie antwortete prompt, sie hatte ihre Sprache wieder gefunden: "Ich habe ihm gesagt, dass es für einen Freund gewesen ist, der sich verletzt hatte! Ich habe noch mehrere Freunde, nicht nur Lia!" "Gut, darüber unterhalten wir uns später. Rea, ich möchte Sie jetzt bitten, zu gehen. Wir sind hier, um uns um alles weitere zu kümmern." Rea wollte widersprechen. Er wollte nicht gehen; im Gegenteil, er wollte dabei sein, wenn sich die Beamten dieses kleine Früchtchen vornehmen würden.

Aber er wurde nicht gebeten, hinaus zu gehen, das war schon ein Befehl. Und Robert Schmidt wurde deutlicher. Ihm war natürlich aufgefallen, wie angespannt, ja schon aggressiv, Rea war. Und es war nur seiner guten Stellung zu verdanken, dass Rea nicht festgenommen worden war. Eigentlich hätten sie die Verpflichtung gehabt - das war mindestens eine handfeste Bedrohung gewesen. Und Hausfriedensbruch...
Aber er konnte ihn verstehen. Dennoch konnte er nicht zulassen, dass er weiter ging. Und die Verhaftung und die weitere Befragung mussten sie alleine durchführen.
Also hatte Rea schließlich keine andere Wahl, als wieder zu gehen. Er wusste zwar erst einmal selber nicht wohin, aber auf jeden Fall verließ er die Wohnung. Nicht, ohne Valerie noch einmal mit blitzenden Augen anzuschauen. Sie würde noch den Mund aufmachen. Sie MUSSTE! Und er würde alles dafür geben, mit dabei zu sein, und ihr Geständnis selbst aus ihr heraus zu prügeln...
Schließlich erschrak er selbst über diese Gedanken und verschwand. Ihm blieb nur übrig, sich auf den Kommissar und die anderen Beamten zu verlassen, die sich nun um diese Valerie kümmern würden. Hoffentlich fanden sie etwas heraus, was sie auf die Spur von Lia führen würde - und bitte, bevor es zu spät war. Ihn fröstelte erneut, als er ins Auto stieg, und erst einmal dort sitzen blieb, weil er nicht wirklich wusste, wohin er jetzt eigentlich fahren sollte. Nach Hause wollte er nicht, in seine leere Wohnung, die ihn noch dazu an alles erinnerte, was dort vor noch nicht allzu langer Zeit geschehen war. Dann fiel ihm wieder Jennifer ein, bei der aller Wahrscheinlichkeit nach, auch noch Jess sein müsste - doch die beiden wollte er jetzt nicht stören. Jess würde Jennifer jetzt erneut brauchen, und er wäre ein Störfaktor. Und selbst, wenn Jess doch wieder bei ihren Freundinnen wäre, wollte er irgendwie nicht zu ihnen. Irgendwie hatte er das Gefühl, dort fehl am Platz zu sein. Vor allem, nachdem, was Lia ihm an den Kopf geworfen hatte, Jess betreffend, auch, wenn er natürlich wusste, dass das Schwachsinn war, und vermutlich auch von dieser Valerie ausging! Vermutlich hatte die ihr diesen Floh ins Ohr gesetzt! Trotzdem war Jess jetzt die falsche Adresse.
Und so fiel ihm schließlich nur ein Ort ein, wo er jetzt gerne sein würde: Er hatte schon einmal an ihn gedacht, bevor Jennifer ihn angerufen hatte: Sein Freund Alec. Er brauchte jetzt jemanden zum Reden! Und so rief er ihn an, und fragte, ob er kurzfristig vorbei kommen könnte. Alec war zwar etwas überrascht, sagte aber ja. Denn irgendwie ahnte er, dass etwas - mal wieder - nicht in Ordnung war. Und so fuhr Rea schließlich zu ihm...

Währenddessen kümmerten sich die Polizisten um Valerie. Natürlich bestritt sie weiterhin alle gegen sie erhobenen Vorwürfe und bekundete, nichts damit zu tun zu haben. "Ich weiß nichts von einer Waffe! Diese kleine Kröte, Jess, hat sich das doch alles nur eingebildet! Sie wissen doch, wie bekloppt die ist, nicht nur von der Entführung - das war die doch vorher schon!" Weiter kam sie nicht. Robert blickte sie an und antwortete: "Oh, Sie wissen also anscheinend schon, was Ihnen vorgeworfen wird? Und wer Sie dessen bezichtigt hat?" Valerie war klar, dass sie vorsichtig sein musste. Sie durfte sich nicht in Widersprüche verwickeln lassen - und Chino musste sie verdammt noch mal da raus lassen! "Natürlich weiß ich das - Rea war ja schließlich hier. Und obwohl er nicht gerade nett mit mir umgegangen ist, haben Sie ihn gehen lassen!" Ihre Stimme klang beinahe beleidigt.
Robert sah sie an: "Machen Sie mal halblang. Es geht hier nicht um Mr. Garvey, sondern um Sie! Wir werden Sie jetzt mit auf die Wache nehmen, und Sie dort verhören. Es sei denn, Sie möchten jetzt und hier ein umfangreiches Geständnis ablegen..." Es machte nicht den Eindruck, denn Valerie schwieg, also fuhr er fort: "Dann sind Sie festgenommen. Sie haben selbstverständlich das Recht zu schweigen und auf einen Anwalt. Allerdings würde ich Ihnen doch dringend anraten, den Mund aufzumachen. Es ist höchste Eile geboten, denn es steht, wie Sie sicherlich selbst wissen, ein eventuelles Verbrechen im Raum. Sie werden jetzt schon wegen Beihilfe zu diesem - vermutlich noch - geplanten Verbrechen verhaftet; wenn es allerdings durchgeführt werden sollte, sieht die Sache noch mal anders aus... Also, überlegen Sie es sich vielleicht doch noch einmal anders?"

Wieder schüttelte Valerie den Kopf, und so wurde sie von Robert und den anderen abgeführt. Der Kommissar spürte, dass es schwierig mit dieser jungen Frau werden würde. Er wusste auch, dass sie etwas verschwieg. Das "sagte" ihm sein Gespür. Er war lange genug im Dienst.
Doch noch konnte sie ihr nichts nachweisen. Das einzige, was er im Hinterkopf behielt, war die Tatsache, dass Verbandszeug auf dem Tisch gelegen hatte. Und auch, wenn sie ausgesagt hatte, dass sie einem "Freund" geholfen haben wollte, so wusste er, dass sie log. Und er wusste auch, dass sie genau dort ansetzen mussten. Vielleicht war das ja auch nur die halbe Wahrheit - oder halbe Lüge, wie auch immer sie es sehen konnten. Vielleicht gab es einen "Freund"; denn wenn diese Valerie ihrer Freundin geholfen hatte, so konnte sie es nicht alleine getan haben. Und ihm war auch klar, dass diese Waffe irgendwoher stammen musste. Sie hatten hier vielleicht sogar ein Wespennest gefunden; und sie mussten vorsichtig sein, um dieses zu finden und ausheben zu können. Da war noch mehr zu holen, abgesehen von Lia Dixon, die sie natürlich auch finden mussten, um sie von ihrem gefährlichen Plan abzuhalten. Und das, bevor es zu spät war...

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Christal, 31
Traumland