Endlich zuende
In der Zwischenzeit, in der sich in der Hütte das kleine Drama abspielte, schwitzte Rea Blut und Wasser. Er hatte eine ungefähre Vorstellung, wohin er fahren musste, da er ebenfalls die SMS dieses ominösen Schreibers gelesen hatte. Wer dieser Kerl auch immer war, der Jess die Informationen geliefert hatte. Von daher fuhr er in die richtige Richtung. Allerdings waren ihm, im Gegensatz zu den Polizisten, die ihm einige Meter voraus waren, wohl einige Abkürzungen nicht bekannt. Auch sein Navi konnte ihm dabei nicht helfen. Und so hatte er, nach den ersten Metern, tatsächlich den Anschluss an die Polizeiwagen verloren, die er, zuerst jedenfalls, noch in weiter Ferne gesehen hatte. Zu nah konnte er ihnen nicht folgen; er wusste schon noch, was ihm der Kommissar ziemlich harsch ins Gesicht gesagt hatte: im Grunde, dass er sich bloß dort nicht blicken lassen sollte. Doch das konnte er nicht. Ihm wurde heiß und kalt, als er darüber nachdachte, was bereits alles passiert sein könnte. Hatte Lia ihr Vorhaben etwa schon in die Tat umgesetzt? Hatten die Polizisten bereits eingreifen können, und wenn ja, was war dann eventuell geschehen?
Rea hatte Angst. Und es machte die Situation nicht besser, dass er nun gar keinen Wagen mehr im Blick hatte. Er hörte zwar in der Ferne Sirenen, und ahnte, dass diese durchaus eben von diesem Polizeikorso sein müssten, doch er hörte auch, dass sie sich schon ziemlich weit von ihm entfernt hatten. Dennoch nutzte er eben diese Sirenen, um herauszufinden, wohin er fahren musste. Er hatte keine Ahnung, wie lange es dauerte; aber irgendwann wurden die Sirenen noch leiser und waren kaum noch zu hören. Sie schienen beinahe am Zielort angekommen zu sein - und er hatte immer noch keine Ahnung, wo genau dieser war...
Alles, woran er sich erinnern konnte, war der Wald, auf den er zufuhr. Und er ahnte instinktiv, dass sich dort auch dieses "Safe-House" befinden musste. Allerdings war er jetzt vermutlich an der falschen Seite an diesem Ort angekommen. Rea bemerkte, dass er mit dem Auto dort nicht weiter kam. Er fluchte und stieg aus dem Wagen aus. Ihm war die Sicherheit seines Autos in diesem Moment egal - er ließ alle Türen offen und raste wie ein Irrer los, ohne genau zu wissen, wohin. Dennoch führte ihn irgendwie ein inneres Gefühl, das er sich nicht erklären konnte. Davon abgesehen führte lediglich ein kleiner Weg durch den Wald, den er nehmen konnte; ansonstene war hier jedenfalls nur Gestrüpp und Bäume.
Plötzlich hörte Rea einen lauten Knall in weiter Ferne - und ihm blieb kurz das Herz stehen. Er wusste, was er da gehört hatte: Einen Schuss!
Sein Herz begann zu rasen. Jemand hatte geschossen! War es Lia gewesen? Hatte sie ihre Drohung, oder ihr Versprechen, wie man es nun auch immer sehen wollte, eingehalten? Oder war es eventuell dieser Bastard gewesen? Hatte er auf seine Liebste geschossen? Oder eventuell auf Jess? Ihm fiel ein, dass sie sich ja auch in Lebensgefahr befand. Vielleicht konnten aber auch die Polizisten geschossen haben? Plötzlich fiel ihm auf, dass er jetzt keine Sirenen mehr hören konnte. Hatten sie nun die Hütte gefunden? Doch wenn es so war; auf wen hatten sie dann geschossen?
Schweiß tropfte aus allen seinen Poren. Er bekam Panik. Was war das für ein Schuss gewesen? Zumindest konnte er nun orten, woher es gekommen war, und so beschleunigte er seine Schritte noch mehr. Er holte alles aus sich heraus, ohne Rücksicht auf Verluste. Dass er beinahe nicht mehr konnte, merkte er nicht einmal; sein Adrenalinspiegel war aufs Äußerste gestiegen.
Schließlich war es so weit. Rea sah in weiterer Ferne eine Hütte. Das musste das "Safe-House" sein. Er hatte es gefunden. Plötzlich ertönte ein weiterer Knall. Rea wäre beinahe über seine eigenen Füße gestolpert; er musste sich kurz an einem Baum festhalten.
Noch jemand hatte geschossen? Zwei Schüsse, kurz hintereinander? Was war hier los, um Himmels Willen? Hatte der Bastard etwa auf Lia UND Jess geschossen? Waren seine beiden Girls tot? Vor seinen Augen tanzten Sterne, doch er wusste, dass er sich zusammen reißen musste! Er sammelte sich und rannte weiter. Die Hütte kam näher - und dann sah er vor sich mehrere Polizeiwagen. Sie hatten dieses "Safe-House" also ebenfalls gefunden. Und, so wie es aussah, waren sie bereits in ihr. Rea überlegte nicht mehr lange, Er stürzte ebenfalls hinein. Es war ihm egal, was das für Auswirkungen für ihn haben würde. Er musste jetzt wissen, was hier passiert war!
Ihm bot sich ein grausiges Bild. Zuerst konnte er es gar nicht richtig einordnen. Links von ihm, neben dem Eingang, lag jemand auf der Erde, der von zwei Mitarbeitern der Polizei mit einer Plane bedeckt worden war. Anscheinend war er tot?
Rea fröstelte. War es eines der Girls? Doch dann registrierte er, dass Kommissar Schmidt anscheinend mit jemandem sprach, und er sah zu ihm herüber. Er sah Lia, und ebenfalls Jess, die etwas im Abseits saß. Sie lebten! Doch bei Lia sah er einen Sanitäter, der sich um sie kümmerte?!
Reas Nerven lagen blank. Anscheinend war seine Liebste verletzt? Er schoss nach vorne. Ihm war alles egal. "LIA!" rief er, und schob sowohl den Kommissar, als auch den Sanitäter zur Seite. Dann kniete er sich vor Lia, beziehungsweise neben Jess.
Keine von beiden hatte Rea bis jetzt bemerkt. Erst jetzt fiel er ihnen auf, und Jess' Augen begannen zu leuchten: "REA", hauchte sie, und im ersten Augenblick wusste sie nicht, ob sie ihrem Blick trauen konnte, oder nicht.
Lia erging es nicht anders. Sie war gerade von dem Sanitäter verarztet worden, und erwartete nun im Grunde die Verhaftung durch den Kommissar. Etwas anderes hatte sie ja auch nicht verdient, und Schmidt hatte es ja nun auch gesagt. Er wollte mit ihr "reden"... Was gab es da denn groß zu bereden? Sie hatte vorgehabt, einen Mord zu begehen. Das dies nicht geklappt hatte, war Jess zu "verdanken"... Wenn sie nicht gewesen wäre, hätte sie ihn ermordet - allerdings war er tatsächlich jetzt tot, wie ihr gerade wieder einfiel - und sie sich selbst auch... Noch war Lia nicht wirklich klar, ob sie Jess dafür dankbar sein sollte, oder nicht. Momentan fühlte sie gar nichts. Einfach nur eine große, dunkle Leere in sich...
Doch dann hörte sie eine Stimme, die ihr bekannt vorkam. Doch das konnte nicht sein. Nicht hier, und generell nicht mehr. Wieso sollte ausgerechnet ER hier sein? Er, der doch garantiert nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte, nachdem was sie ihm angetan hatte?
Doch sie hörte die Stimme noch einmal, und sie spürte, jemand sie vorsichtig an den Händen fasste: "Lia? Do you hear me? It's me, Rea! Sag was, bitte! Speak to me! Lia, please! I love you, Girl.." Auch Jess richtete sich an Lia, nachdem sie begriffen hatte, dass Rea tatsächlich bei ihnen war: "Lia, er ist wirklich hier. Bitte, sieh zu ihm. Er ist deinetwegen hier!"
Lia schien langsam aus ihrer Starre zu erwachen. So langsam kam zuerst der physische Schmerz zurück, in ihrem Arm, der zwar gerade verarztet worden war, dennoch brannte die Wunde immer noch. Vermutlich würde sie noch mal in Behandlung müssen, entweder in einem Krankenhaus, oder vom Gefängnisarzt... Allerdings wusste sie immer noch nicht, ob sich das wirklich für sie lohnen würde...
Als zweites registrierte sie, dass Rea tatsächlich vor ihr saß. Er hatte ihre Hände in seinen, und blickte sie mit seinen lieben, warmen Augen an. War das wirklich real? Sie konnte es nicht fassen. Sie hatte ihm so viel Leid angetan, und dann, nach ihrem furchtbaren Streit, kam er tatsächlich hierher und sagte ihr, dass er sie lieben würde? Schließlich stieß sie die Worte heraus: "Du, du bist wirklich hier? Und, und du sagst, du liebst mich? Nach allem, was ich dir angetan habe? Das kann ich nicht glauben... Nicht, nachdem, was passiert ist..." Und sie senkte den Kopf, in Erwartung, dass Rea sie spätestens jetzt wieder verlassen würde.
Rea musste erst einmal schlucken, als er Lias Worte hörte. Er ahnte, worauf sie sich bezog. Natürlich konnte auch er sich an ihren letzten, furchtbaren Streit erinnern, der wohl das ganze Grauen hier zum Laufen gebracht hatte. Doch er antwortete nicht, sondern zog Lia so sanft es ihm möglich war, an sich heran und küsste sie. Er küsste sie, wie er sie noch nie zuvor geküsst hatte, und es war ihm egal, wie viele Leute ihm gerade zusahen. Er hatte auch keine Ahnung, wie lange es dauerte.
Zuerst bemerkte er Lias Verwirrung, doch dann erwiderte sie seinen Kuss.
Nach einiger Zeit ließ er wieder von ihr ab, denn ihm fiel durchaus wieder ein, dass sie nicht alleine waren. Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und flüsterte: "Lia, ich liebe dich! You are my life! Es tut mir so leid, was passiert ist! Doch auch, wenn wir uns gestritten haben, darfst du niemals vergessen, dass ich dich liebe! Und dass du Freunde hast, die ich lieben!"
Dann blickte er zu Jess herüber. In den letzten Minuten hatte er sie total vergessen. Doch selbstverständlich wusste er genau, was er ihr zu verdanken hatte. Und er war ebenfalls froh, dass ihr anscheinend nichts geschehen war. "Come on, Girl", sagte er nur, und breitete seine Arme aus. Jess hatte es mittlerweile auch begriffen, dass er wirklich bei ihnen war, und robbte zu ihm. Sie warf sich in seine Arme, und er umarmte sie. "Thank you Girl! Thank you for saving Lias Life! I will never forget this!" sagte er leise, aber laut genug, dass es auch Lia mitbekam. Sie blickte zu den beiden herüber - und in ihren Augen bildeten sich tatsächlich Tränen. Langsam kam in ihr an, was Jess für sie getan hatte. Und sie begann auch zu begreifen, was sie verloren hätte, wenn sie das durchgezogen hätte, was sie eigentlich vorgehabt hatte. Sie hätte alles verloren; denn Rea liebte sie. Eine Möglichkeit, die sie völlig außer acht gelassen hatte. Für sie war dies ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Doch er liebte sie wirklich. Trotz allem, was sie getan hatte.
Langsam ließ Rea Jess wieder los. Auch, weil er durchaus in Erinnerung hatte, dass Lia einmal nicht besonders gut auf seine "Beziehung" zu Jess reagiert hatte. Er konnte nur hoffen, dass sie hier nichts hinein interpretierte, was nicht vorhanden war. Er war war einfach nur glücklich BEIDE wieder zu haben, und vor allem seine Lia wieder in sein Leben lassen zu können.
Doch, was war jetzt eigentlich passiert? Langsam kam in ihm wieder die Erinnerung hoch. Ihm wurde kalt. Er drehte sich zu dem Leichnam herum, der gerade aus der Hütte getragen wurde. Und ihm kam der Kommissar wieder ins Gedächtnis, der sich in seiner Nähe aufhielt, aber das Geschehen bis dahin schweigend und kommentarlos beobachtet hatte.
Jetzt war es mit der Ruhe vorbei, und Rea ahnte, dass es wohl die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm gewesen war. Er sollte Recht behalten.
Schmidt hatte in der Tat alles beäugt, und sich - vorerst - zurück gehalten. Auch, wenn es in ihm brodelte. Als er registrierte, dass Rea sich von seiner Liebsten löste, und auch die andere junge Frau wieder losgelassen hatte, platzte es aus ihm heraus: "Was machen Sie hier, Mr. Garvey?" Er sprach in einem Ton, der deutlich machte, dass es in ihm gährte. Es war noch ein Versuch, ruhig zu bleiben, aber der Vulkan schien kurz vor dem Ausbruch zu sein...
Rea stand auf und blickte ihn an: "Ich weiß, dass Sie mir gesagt haben, ich sollte nickt hierher kommen. Aber bitte, you have to understand - ich konnte nicht anders! Die Angst um diese beiden - meine beiden - Girls, meine Leben, und eine real good friend, war einfack zu groß. Ich konnte nicht einfack so warten, bis Sie mir eine Nachricht schicken, vielleicht noch, dass eine von beiden tot is.. Or both..." Wieder sah er sich um. Er konnte zwar keine Leiche mehr sehen, dennoch wusste er, dass eine hier gewesen war. Zudem hatte er zwei Schüsse gehört. Und Lia war verletzt!
Voller Sorge blickte er wieder zu Lia herunter: "Sagen Sie mir, was hier passiert is, bitte!" "Nun, dass wollte ich eigentlich gerade mit Ihrer Liebsten besprechen", antwortete der Kommissar, und es kam tatsächlich so etwas wie Sarkasmus aus ihm heraus. Bevor Rea etwas erwidern konnte, fuhr er fort: "Zuerst einmal: um Sie zu beruhigen: Nein, nicht Lia Dixon hat den Täter erschossen, sondern wir! Wir sind kurz nach dem Schuss, den dieser wohl auf die beiden Frauen abgegeben hat, hier eingetroffen. Wie wir dann gesehen haben, wollte dieser kurz darauf noch einmal schießen, und wir haben es im letzten Augenblick verhindert. Deswegen ist er jetzt tot. Glücklicherweise war es wohl nur ein Streifschuss, der Miss Dixon getroffen hat. Allerdings wollte ich eigentlich noch mit ihr darüber reden - und sie kurz nachdem sie hier verarztet wurde, und bevor Sie hier herein geschneit sind, in Haft nehmen..."
Rea fuhr ihm über den Mund: "NO! Bitte! Sie können Lia nicht verhaften! Sie hat doch nicks getan! Im Gegenteil, sie wurde von IHM beinahe getötet!..."
Weiter kam er nicht, denn dieses Mal unterbrach ihn Lia: "Rea, es ist schon in Ordnung... Ich weiß, was ich getan habe; und für das verdiene ich es, verhaftet zu werden. Immerhin habe ich ihn, kurz vor seinem Versuch, uns zu töten, ganz schön ins Visier genommen...
Im übrigen, wenn Jess nicht gewesen wäre, hätte ich ihn getötet, und mich auch... Sie hat mir das Leben gerettet; wie du es gesagt hast, Rea..." Und sie blickte auf den Boden.
Lias Geständnis schockierte Rea. Er wusste zwar nicht genau, was sie mit "ins Visier genommen" gemeint hatte, aber er ahnte, dass sie schon etwas mit ihm "angestellt" haben musste. Vermutlich bevor Jess gekommen war. Und was sie noch gesagt hatte, schockte ihn ebenfalls. Er hatte zwar durchaus Angst davor gehabt, dass sie sich etwas antun könnte - aber dass sie dies wirklich in Betracht gezogen hatte, das machte ihn nun doch etwas fertig.
Dann hörte er Jess' Stimme. Sie war zu Lia gerobbt und hatte diese in den Arm genommen. "Lia, du brauchst mir nicht zu danken. Immerhin hast du mir auch das Leben gerettet, weißt du nicht mehr? Wenn du dich nicht über mich gebeugt hättest, dann hätte sein Schuss mich getroffen! Er hätte mich getötet, du hast den Schuss abgefangen! Du bist eine Heldin, Lia! Und bitte, vergiss das nie! Du bist meine Freundin! Und wenn wir das durchstehen, dann zusammen! Denn ich habe ja ebenfalls..."
Weiter kam sie nicht. Lia hatte sie leicht von sich geschoben und und stand, mit zusammen gebissenen Zähnen, auf. "Jetzt hör mal auf mit deiner Lobhudelei! Wenn wir es so sehen, sind wir quitt! Wir beide haben einander gerettet, irgendwie... Und was das andere angeht: ICH bin für meine Taten selbst verantwortlich!" Sie wandte sich an den Kommissar, ohne weiter auf Jess oder Rea zu achten: "Also bitte, verhaften Sie mich. Ich habe es verdient, und ich werde mich dem stellen, was auf mich zukommt. Eigentlich habe ich überhaupt nicht mehr mit Konsequenzen gerechnet, aber nun ja, jetzt habe ich sie... Und ich werde es akzeptieren..."
Jetzt war es Rea, der sie unterbrach. Ihm wurde alles zuviel. Er ahnte langsam, dass hier mehr geschehen war, als er bis jetzt begriffen hatte. Und was Jess zum Schluss gesagt hatte, machte ihm auch zu schaffen. Was hatte sie damit gemeint, dass sie ebenfalls etwas getan hätte? Was? Anscheinend war es so übel, dass Lia sie ziemlich schnell unterbrochen hatte - so als wollte sie diese davon abhalten, etwas "falsches" zu sagen? Doch was? Und anscheinend hatte auch Lia Jess gerettet. Die Kugel, die sie gestreift hatte, hätte eigentlich Jess getroffen? Rea fröstelte noch mehr. Er musste später noch einmal in Ruhe mit Jess über alles reden, doch jetzt musste er erst einmal alles daran setzen, seine Lia aus der Misere zu holen. "Please, ich bitte Sie, Sie wissen doch, dass Lia nich gewusst hat, was sie tut! Sie war von Rache getrieben; sie braucht Hilfe, und keine Verhaftung!" versuchte er es noch einmal, doch der Kommissar brach ab: "Ich weiß, was Sie hier versuchen, Mr. Garvey. Sicher, ich sehe durchaus auch die Möglichkeit, der psychischen Unzurechnungsfähigkeit bei Ihrer Lebensgefährtin vorliegen. Doch es ist nicht unsere Aufgabe, dies zu ermitteln. Das wissen Sie doch hoffentlich auch! Ich gehe davon aus, dass Ihnen unsere Rechtsprechung und unsere Gesetze vertraut sind? Legislative, Exekutive und Judikative? Wir sind die ausführende Gewalt, und ich habe die Pflicht, Ihre Lebensgefährtin mitzunehmen. Wir nehmen sie nun in Untersuchungshaft, und dort werden alle weiteren Untersuchungen angestellt." Dann wandte er sich ohne weitere Worte an Lia: "Sie haben das Recht auf einen Anwalt, wenn Sie sich keinen leisten können, wird Ihnen einer zur Verfügung gestellt. Sie haben ebenfalls das Recht zu schweigen. Des weiteren werden Sie auf Ihren Gesundheitszustand untersucht. Alles Weitere wird sich ergeben. Kommen Sie bitte!" Er zeigte hinaus, und machte nicht den Eindruck, Lia in Handschellen legen zu wollen, was diese ihm hoch anrechnete. Sie hatte sich mit ihrem Schicksal abgefunden, Rea allerdings noch nicht. Er versuchte es noch einmal: "Wait! Weswegen nehmen Sie sie eigentlich fest? Sie hat niemanden getötet, oder? When ich das richtig verstanden habe, dann waren das IHRE Leute, weil diese Bastard versuckt hat, die Girls zu töten, und meine Girl auch getroffen hat!" Er sah immer noch besorgt zu Lias bandagierten Arm herüber.
Der Kommissar blickte ihn an. Noch war er ruhig, aber der Vulkan brodelte. Unter der Oberfläche. Dennoch antwortete er: "Nun, zuerst einmal haben wir den Punkt des unerlaubten Waffenbesitzes. Dazu kommt noch gefährliche Körperverletzung." Er blickte Lia an. "Wir haben durchaus gesehen, wie der Leichnam aussah, auch, wenn wir den tödlichen Schuss abgegeben haben!" mehr sagte er nicht, doch Lia hatte ihn durchaus verstanden. Und sie wusste, im Gegensatz zu Rea, wovon er sprach...
Der Kommissar sagte dazu auch nichts weiter, sondern fuhr mit seiner Aufzählung fort: "Zudem hätten wir den Tatbestand der versuchten Tötung; allerdings muss darüber vielleicht die Staatsanwaltschaft entscheiden. Aber selbst wenn nicht, Waffenbesitz und schwere Körperverletzung reicht auch erst einmal. Ob dies tatsächlich zur Anklage kommt, oder eben durch eine mögliche Unzurechnungsfähigkeit aufgehoben wird, das sehen wir später. Und es sind nicht WIR, die diese Entscheidung treffen. Ich muss Sie jetzt mitnehmen! Bitte!" Und er ließ keinen Zweifel darüber zu, dass er nicht mehr mit sich reden ließ. Lia blickte Rea an: "Es ist schon gut, wirklich! Ich habe es mir selbst zuzuschreiben... Und danke Rea. Ich liebe dich auch!" Sie warf ihm noch eine Kusshand zu, dann wurde sie von zwei anderen Polizisten in die Mitte genommen, und hinaus geführt. Rea wusste, wann er verloren hatte. Er starrte ihnen hinterher und auch Jess, die er erst jetzt wieder realisierte, stand dort und weinte. Er hörte sie schluchzen. Langsam ging er zu ihr und nahm sie in die Arme. "Hey, es wird alles wieder gut, okay! Ich nehm eine Anwalt for sie, eine der besten! Und wir werden sie da raus bekommen! Wir mussen einfack!"
Jess sah ihn an: "Ich müsste eigentlich ebenfalls verhaftet werden! Ich hatte die Pistole auch in den Händen, als Lia geschossen hat... Ich müsste es den Polizisten sagen..."
Rea unterbrach sie. Er hatte sich gehetzt umgesehen, ob jemand außer ihnen im Raum war, doch alle Polizisten waren draußen. Ob sie auch alle weggefahren waren, wusste er nicht, aber die Hütte war jedenfalls momentan, leer. Er hatte ohnehin nicht wirklich verstanden, was Lia, und anscheinend jetzt auch Jess, gemeint hatten, aber was er wusste war, dass er nicht noch eine der beiden an die Polizei verlieren wollte. Es war so schon schlimm genug! "Listen, Girl, du sagst erst einmal gar nichts! Verstanden? Wir werden jetzt zu dir nach Hause fahren, dann werde ich zu Lia gehen, und for sie eine Anwalt besorgen. Ich muss auch mit ihr reden, zuvor. Und dann komme ich zuruck und du wirst MIR alles zuerst erzählen, was here abgelaufen ist! Und when ich meine, dass dies eine Grund ist, dass auch du etwas sagen musst, dann okay, dann werden wir das zusammen tun. Aber nicht du alleine, verstehst du mich? Im ubrigen furchte ich, dass die Polizei fruher oder später auch zu dir kommen wird. Von daher ubereile nicks, verstanden?"
Jess nickte nur. Sie hatte bereits registriert, dass Lia sie davon abbringen wollte, die Wahrheit zu sagen, nämlich, dass auch sie die Waffe in der Hand gehalten hatte, bevor Lia abgedrückt hatte. Irgendwie fühlte sie sich ebenfalls schuldig, im Grunde hatten sie den Bastard doch beide verletzt. Ob diese Verletzungen früher oder später tödlich gewesen wären? Und Lia hatte danach noch einmal geschossen, dieses Mal allerdings ohne sie.. Das würde sie aber definitiv für sich behalten. Wenn Lia es nicht von sich aus preisgeben würde.
Dennoch fühlte sie sich mies. Doch Rea hatte ihr hier und jetzt unmissverständlich klar gemacht, dass sie noch nichts sagen sollte, und so verließen sie schließlich ebenfalls die Hütte. Jess ging es mit einem Schlag besser, als sie draußen war. Dort waren noch einige Polizisten zu sehen, und ein Leichenwagen hatte mittlerweile ebenfalls dort geparkt. Rea war schon klar, für wen... Ihn fröstelte es ein wenig, als er ihn sah, Jess ebenfalls.
Im ersten Moment überkam Rea ein innerer Drang, sich den Bastard anzusehen, der seinen Girls das alles angetan hatte. Doch dann wollte auch er einfach nur weg, und so beeilte er sich, zusammen mit Jess, zu seinem Wagen zu laufen, der ja einige Meter weit entfernt geparkt stand. Glücklicherweise hielt sie keiner auf, und sie kamen schließlich bei ihm an. Er war noch da, obwohl alle Türen offen standen. Rea hatte Glück gehabt. Aber wer sollte hier schon hin kommen?
Sie stiegen ein, und Rea fuhr Jess zuerst nach Hause. Eigentlich wäre es ihm ein Inneres gewesen, sie auch hinein zu begleiten, zumal er sah, dass sie angefangen hatte, zu zittern. Ob aus Angst, oder vor Kälte, wusste er nicht. Vermutlich beides. Sie tat ihm leid, doch er wusste, dass ihre Freundinnen auf sie warteten. Und er musste einfach sehen, wie es Lia ging. Also hielt er an und hupte einmal kurz.
Wenige Sekunden später ging die Tür auf. Dana und Steffi hielten ihre Köpfe aus der Tür, und erkannten sowohl seinen Wagen, als auch Jess, die neben ihm saß. Sie war noch nicht ausgestiegen, denn sie hatte in der Tat Angst. Angst vor dem, was ihre Freundinnen von ihr halten würden. Nachdem, was sie getan hatte...
Doch ihre Angst war unbegründet. Nachdem Dana und Steffi begriffen hatten, dass Rea zurück war- und Jess bei ihm war - waren sie heraus gestürmt. Und beide rissen die Seitentür auf, und zogen Jess beinahe vom Stuhl. "Jess...Oh Gott, Jess... Du lebst. Dir ist nichts passiert.. Oh Gott... Wir sind ja so froh, Jess..." Dana weinte, und auch Steffi liefen die Tränen über die Wangen.
Jess wusste nicht, was sie sagen sollte. Schließlich sackte sie in den Armen ihrer Freundinnen zusammen. Es war zuviel für sie gewesen. Auch sie weinte.
Rea hatte vorgehabt, sofort, nachdem er Jess abgesetzt hatte, weiter zu fahren, doch als er sah, was hier passierte, konnte er es nicht mehr. Er stieg ebenfalls aus und lief zu den Mädels. Sie alle drei standen zusammen, in sich verschlungen, und weinten. So, wie er sie noch nie hatte weinen hören. "Hey, Girls... Sch... Beruhigt euch.. God... It is okay.. Jess is safe now! She is safe! And she will stay it!" setzte er noch hinzu.
So langsam beruhigten sich die Mädchen wieder. Jess wusch sich die Tränen aus dem Gesicht, dann blickte sie Rea an: "Yes, I will stay safe! Keine Sorge! Und ich bin so froh, dass Lia lebt. Alles andere werden wir schon schaffen, oder Rea?"
Dana und Steffi blickten sie an. Natürlich hatten sie keine Ahnung, wovon Jess sprach, doch was sie erst einmal heraus hörten, und was Steffi als erstes nachfragte, war: "Lia lebt? Es ist alles gut ausgegangen?"
Rea blickte sie an, und in seinem Blick konnten sie erkennen, dass es wohl nicht ganz so gut ausgegangen war, wie es hätte sein sollen. "Ich denke, Jess wird euch alles erklären. Ich muss jetzt noch einmal etwas erledigen. Aber ich komme zuruck! And Jess: Dann reden wir miteinander, okay?!" Jess nickte. Sie würde schon nichts dummes tun - das hatte sie, in den Augen der anderen, vermutlich schon zu oft getan. Und wie sie sich momentan fühlte, wusste sie auch nicht wirklich. Im Grunde eine Mischung aus allem: Müde, aufgedreht, ängstlich, mit Schuld beladen... Einfach alles, irgendwie.
Rea war wieder in seinen Wagen gestiegen und ohne ein weiteres Wort abgefahren, auf dem Weg zu Lia.
Jess spürte, wie ihre Freundinnen sie langsam mit sich führten. Ins Haus hinein. Sie setzten sich erst einmal auf die Couch im Wohnzimmer, und Steffi machte ihnen allen eine heiße Schokolade. Und dann warteten sie darauf, bis Jess in der Lage war, ihnen alles zu erzählen. Und das tat sie schließlich. Sie ließ nichts aus, auch ihre Mitwirkung an der Tat, die Lia schließlich ausgeführt hatte - und für die sie nun in Untersuchungshaft saß.
Die Mädchen hörten ihr einfach nur zu. Es kehrte Stille ein, als Jess fertig war...

