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(ca. eine halbe Stunde später – ca. 6 Uhr morgens)
Dana und Steffi hatten sehr unruhig geschlafen. Beide waren erst spät ins Bett gegangen und hatten immer wieder nach Jess gesehen. Auch, kurz bevor sie endlich schlafen gegangen waren. Es hatte so ausgesehen, als würde sie schlafen, und sie waren schließlich ebenfalls in ihr Schlafzimmer gegangen.
Doch nun wachten sie relativ früh wieder auf. Dana blickte auf ihre Uhr, es war (kurz vor sechs) Uhr morgens. Auch Steffi hatte auf die Uhr geschaut. Sie waren beide nicht mehr müde, und von weiter schlafen konnte auch nicht mehr die Rede sein. Also kamen sie darin überein, dass Steffi schon einmal Frühstück für sie alle machen wollte, und Dana sollte einmal nach Jess schauen. Wenn sie noch schlafen sollte, würden sie ihr Frühstück für sie aufheben. Wecken wollten sie ihre Freundin noch nicht. Sie hatte ihren Schlaf verdient.
Also ging Steffi die Treppe nach unten, und Dana öffnete leise die Tür zu Jess‘ Schlafzimmer. Es tat ihr insgeheim schon ein wenig weh, dass Jess sich von alleine dazu entschieden hatte, hier schlafen zu wollen; sie hätte es lieber gesehen, mit ihr zusammen im großen Schlafzimmer zu liegen, einfach auch, um ein Auge auf sie zu haben, und für sie da zu sein, wenn diese Anzeichen machte, das Geschehene – mal wieder – nicht verarbeiten zu können. Aber es war nun mal so, sie konnte es nicht mehr ändern, und sie trat in das Zimmer ihrer Freundin ein…
Und traute ihren Augen nicht. Das Bett war leer! Jess war nicht hier!? Das konnte nicht sein! Wo war sie? Dana schaute sich im Zimmer um, so wahnsinnig groß war dieses Zimmer hier nicht, dass man sich dort verstecken könnte, im Übrigen wusste Dana auch nicht, warum Jess das tun sollte. Aber vielleicht war sie im Bad? Dana hörte zwar hier oben nichts, und unten würde Steffi vermutlich etwas mitbekommen, trotzdem sah sie sich als nächstes in ihrem gemeinsamen Bad in dieser Etage um. Es war auch nicht wirklich riesig, um es mal geschönt auszudrücken; also wenn sie hier wäre, würde Dana sie auch sofort sehen – doch sie konnte mit einem Blick erkennen, dass sie es nicht war. Dana lief zur Treppe, und rief nach unten zu Steffi: „Steffi, ist Jess bei dir?“ Steffi erschien nach einigen Sekunden am Treppenabsatz und schaute zu ihr herauf. „Äh, nein, wieso sollte sie?“ „Weil sie anscheinend nicht hier oben ist…“ antwortete Dana nur. Jetzt wirklich sichtlich irritiert bis besorgt.
Steffi glaubte, sich verhört zu haben, und raste geradewegs die Stufen nach oben. „Was? Wie, sie ist nicht hier oben? Wo sollte sie denn sonst sein?“ fragte sie. „Keine Ahnung! Aber in ihrem Zimmer ist sie nicht, und im Bad hab ich auch schon nachgesehen!“ antwortete Dana. Steffi schien ihr nicht wirklich glauben zu wollen, und lief selbst in Jess‘ Zimmer. Auch sie merkte natürlich auf den ersten Blick, dass es leer war. Steffi wurde kalt. Irgendwas war hier nicht in Ordnung, dass spürte sie. Doch noch wollte sie sich ihre aufkommende Angst nicht anmerken lassen. Es gab bestimmt eine ganz einfache Erklärung dafür. Vielleicht war sie mal kurz draußen, um ihre Post zu holen? Wobei, eigentlich lag die im Briefkasten und das würden sie hören, beziehungsweise sie hätten es mitbekommen, wenn sie raus gegangen wäre, oder? Trotzdem wollte Steffi jetzt auch mal vor der Türe nachschauen. „Ich sehe mich draußen um, vielleicht läuft sie einmal ums Haus, oder so…“ sagte Steffi, ohne wirklich überzeugend zu klingen. Dana nickte nur. Auch sie hatte kein gutes Gefühl. Irgendetwas lief hier, und sie hörte ihre Alarmglocken läuten.
Dennoch sah sie sich jetzt einmal genauer in Jess‘ Zimmer um, auch, wenn sie bereits ahnte, dass es wohl nicht viel bringen würde…
Doch sie sollte sich irren. Nach einigen Sekunden bemerkte Dana plötzlich ein Handy auf dem Sideboard liegen. Sie wusste sofort, dass es Jess‘ Handy war. Und daneben lag ein Zettel? Dana lief langsam zum Sideboard herüber, und nahm den Zettel in die Hände. Sie las ihn, und ihr wurde beinahe schwarz vor Augen. Das konnte jetzt nicht wahr sein… Das DURFTE nicht wahr sein! Sie merkte nicht, wie sich die Tür öffnete, und Steffi wieder eintrat, die natürlich keine Spur von Jess hatte ausmachen können.
Diese sah direkt, dass mit ihrer Freundin etwas nicht stimmte. Diese war blass geworden, und starrte, anscheinend völlig paralysiert, auf einen Zettel. Steffi war aufs höchste alarmiert und besorgt. Dieses Mal um Dana. „Dana? Hey, was ist los? Alles klar bei dir?“ Dana blickte von dem Zettel auf, den sie immer noch in den Händen hielt, sie hatte angefangen zu zittern. „Gar nichts ist okay… Lies!“ sagte sie nur, und dann musste sie sich setzen. Steffi nahm den Zettel entgegen, und mit bereits jetzt klopfendem Herzen, begann auch sie, ihn zu lesen.
Ihr ging es genauso wie Dana, wenige Augenblicke zuvor. Sie konnte nicht fassen, was sie da las. Auch sie las ihn mehrere Male, bevor sie es schließlich glauben konnte. „Oh mein Gott… Nein!“ hauchte sie nur. Dann kam Leben in sie. „Wir müssen den Kommissar informieren!“ sagte sie, und Dana sah sie an: „Aber wir wissen doch gar nicht, wo Jess ist! Sie hat nichts geschrieben! Wer weiß, wo sie hin ist, und seit wann… Oh mein Gott, wieso hab ich nicht darauf bestanden, mit ihr zusammen ins große Zimmer zu gehen; wir hätten sie niemals alleine lassen dürfen – nicht, nachdem was sie gestern Abend zu uns gesagt hat!“ Steffi wusste, worauf sich Danas Worte bezogen. Auch sie musste schlucken. „Das konnte niemand von uns ahnen, Dana! Auch nicht, dass sie weiß, wo diese Lia ist? Woher verdammt noch mal soll sie das denn wissen? Egal, ich rufe jetzt den Kommissar an!“ Und sie machte Anstalten, das Zimmer zu verlassen, um in Danas und ihr Zimmer zu gehen. Dort lag ihr Handy. Dana hielt sie noch einmal kurz auf: „Warte – was, was ist mit Rea? Sollten wir es ihm nicht auch sagen?“ Steffi überlegte kurz. Sollten sie? Im Grunde würde er es ja ohnehin irgendwann erfahren, aber momentan hatte auch er genug durchgemacht, und es würde ihm schwer genug fallen, den Verlust von Lia zu verkraften, beziehungsweise die Tatsache, dass er nicht wissen konnte, ob er sie jemals wieder sehen würde. Und jetzt auch noch Jess? Es zog ihr beinahe die Füße weg, als sie daran dachte, was bereits mit ihrer Freundin passiert sein könnte. Nein, im Moment würden sie Rea noch nichts davon sagen. „Ich gebe jetzt erst einmal dem Kommissar Bescheid, Rea werden wir – noch – nichts davon sagen! Er hat genug eigene Probleme… Später…“ mehr sagte sie nicht, sondern machte sich auf in ihr Zimmer, um Kommissar Schmidt anzurufen.
Dana blickte ihr hinterher und fragte sich, ob das nicht ein Fehler sein würde, Rea nicht darüber zu informieren. Auch ihr war schlecht, und in ihrem Kopf drehte sich alles. Wie hatte Jess das nur tun können? Wo, um Himmels Willen war ihre Freundin jetzt? Lebte sie überhaupt noch? Dana war schlecht. Sie begann zu weinen, und weinte immer noch, als Steffi nach ein paar Minuten zurückkam. Sie bemerkte natürlich sofort, was mit Dana los war, und lief zu ihr, um sie in den Arm zu nehmen und zu trösten. Zumindest versuchte sie es. „Hey, es wird alles gut, der Kommissar kommt sofort, und er bringt eine ganze Mannschaft für die Spurensuche mit. Sie finden sie, Dana, sie finden Jess…“ Es klang mehr nach einem Mantra, als dass sie es wirklich selbst glauben würde…
Wenige Minuten zuvor hatte Steffi mit Kommissar Schmidt gesprochen, der ihr versichert hatte, sofort mit seinen Kollegen zu kommen. Zudem hatte er sie ebenfalls ermahnt, Rea Garvey da heraus zu halten. Zumindest vorerst. Steffi nahm sich vor, sich – vorerst – an seine Ermahnung zu halten. Doch sie wusste selbst nicht, wie lange sie es würde durchhalten können… Jetzt hielt sie ihre ebenfalls beste Freundin Dana in ihren Armen, und beide waren erneut verzweifelt. Ihre Angst fraß sich durch ihre Seele, dennoch versuchten sie sich gegenseitig Halt zu geben…
Robert Schmidts Adrenalinspiegel war, direkt nach dem Telefonat, um ein vielfaches gestiegen. Er hatte es erst einmal nicht fassen können, als ihm die Freundin von Jess Meurer am Telefon die unfassbare Neuigkeit mitgeteilt hatte. Natürlich hatte er direkt bemerkt, dass etwas mit, der sonst wohl eher besonnenen, Stefanie Wegener nicht in Ordnung war. Er hörte so etwas direkt. Und er sollte Recht behalten. Alles konnte ihm die junge Frau natürlich nicht am Telefon erzählen, aber das, was sie sagte, reichte schon, um sofort alles weitere in die Wege zu leiten. Er trommelte ein Team zusammen, und wenige Minuten später waren sie auf dem Weg zu Danas und Steffis zu Hause…
Währenddessen hatten diese sich wenigstens ein bisschen beruhigt. Sie konnten es immer noch nicht glauben. Dana starrte immer und immer wieder auf den Zettel, als würden sich dadurch die Buchstaben, und damit auch die Sätze, in irgendeiner Form verändern. Natürlich taten sie das nicht!
Auch Steffi war übel, und nach einigen Minuten des Schweigens, der beide noch unwohler werden ließ, als sie es ohnehin schon waren, brach schließlich Dana dasselbe: „Steffi, wir müssen wenigstens einem der Jungs Bescheid geben… Wenn schon nicht Rea selber. Bitte!“ Sie sprach so eindringlich, dass Steffi schließlich nachgab. Eigentlich war ihr nicht wohl dabei, aber es ging ihr selbst nicht gut, und ein wenig Trost von jemandem, der ihr nahe stand, und der älter war als sie selbst, konnte nicht schaden… Auch, wenn sie ahnte, dass der Kommissar vermutlich nicht begeistert sein würde. ‚Aber er hat ja nur von Rea gesprochen, dem ich nichts sagen soll…‘, versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Schließlich nickte sie, schob Dana etwas zur Seite, und nahm ihr Handy, das sie, aus ihrem gemeinsamen Schlafzimmer, mitgebracht hatte. Sie wählte Alecs Nummer, und konnte nur hoffen, dass dieser schon wach war. Es war noch relativ früh. Allerdings würde er ihr den „Weckruf“ schon verzeihen, sollte es denn einer sein…
Es war in der Tat einer. Alec schlief noch, als das Telefon klingelte. Und Rea schlief ebenfalls im Nebenzimmer. Er hatte das Angebot seines Freundes angenommen, und hatte im Gästezimmer übernachtet. Natürlich wussten die Mädchen nichts davon. Woher auch… Jetzt hörten beide Männer beinahe gleichzeitig ein Geräusch, von dem sie erst einmal nicht registrierten, was es war und woher es kam, bis es dann in ihr Ohr eindrang, und in ihr Gehirn, dass es sich um ein Telefonklingeln handelte.
Alec stand auf und rannte schnellen Schrittes zum Telefon. Auch Rea war aus seinem Bett gestiegen; nach ein paar Sekunden der Desorientierung wusste er wieder, wo er war. Und er wusste auch, dass es eigentlich ein Anruf für Alec sein dürfte, aber um diese Zeit?
Er hatte mit einem Blick auf die Uhr bemerkt, dass es noch sehr früh am Morgen war… Rea wusste nicht wieso, aber irgendwie bekam er ein merkwürdiges Gefühl. Er stand ebenfalls auf und ging Alec entgegen, der bereits das Telefonat angenommen hatte. Ihm wurde kalt, als ihm Alecs Worte entgegen schallten: „Steffi, hey, mal ganz langsam, okay, was ist los?“
Alec selbst hatte sofort gesehen, wer ihn anrief, und er wusste ebenfalls, dass es garantiert nicht grundlos sein dürfte, wenn ihn eines der Girls anrief, schon gar nicht um diese Zeit. Was war denn jetzt schon wieder los? Also nahm er den Anruf entgegen, und Steffis Stimme schallte ihm entgegen; er konnte sofort erkennen, dass definitiv etwas nicht in Ordnung war. Deswegen unterbrach er sie, da er ihre Worte ohnehin nicht wirklich verstehen konnte, und fragte: „Steffi, hey, mal ganz langsam, okay, was ist los?“ Alec hatte noch nicht registriert, dass Rea hinter ihm stand, doch dieser machte sich jetzt bemerkbar. „Something wrong?“ fragte er, mit einer nicht zu überhörenden Spannung in der Stimme. Alec drehte sich um. „Rea! Du bist auch wach? Ehrlich gesagt, keine Ahnung, ich hab Steffi in der Leitung, aber ich versteh kein Wort von dem, was sie sagt…“
Steffi hatte sich gerade gesammelt und wollte es Alec so schonend wie möglich erzählen, als sie registrierte, dass er mit Rea gesprochen hatte? Wieso war Rea bei ihm? Sie musste sich irren, trotzdem fragte sie, mit zitternder Stimme: „Ist, ist Rea bei dir?“ Sie hoffte, er würde die Frage verneinen, doch das tat er nicht: „Ja, ist er… Er hat heute Nacht bei mir übernachtet. Aber das ist jetzt nicht das Thema, Steffi – warum rufst du an?“ Rea hatte sich neben ihn gestellt und hatte, ungefragt, den Lautsprecher angestellt, Alec akzeptierte es. „Steffi, what’s going on?“ fragte auch er. Die beiden bekamen erst einmal keine Antwort. Dann hörten sie, wie sie tief einatmete und antwortete: „Ent.. Entschuldige, ich, ich wollte nicht stören, ich, ich ruf später noch mal an…“ Dann wurde aufgelegt.
Rea und Alec starrten beide gleichzeitig aufs Telefon, dann sahen sie sich an. Rea war der erste, der seine Worte wieder fand: „I have to go!“ Alec nickte, dann erwiderte er: „Soll ich mitkommen?“ Rea überlegte ein paar Sekunden, dann schüttelte er den Kopf. Anscheinend war wieder etwas passiert, und es war Steffi wohl unangenehm, es ihnen beiden zu erzählen? Er hatte keine Ahnung. Allerdings wunderte es ihn schon ein wenig, dass sie Alec angerufen hatte, und nicht ihn… Aber das war jetzt auch egal. Er musste wissen, was da los war, und er würde, erst einmal, alleine fahren. „I call you“, sagte er nur, dann raste er ins Bad, um sich fertig zu machen, es war eine regelrechte „Katzenwäsche“, die er betrieb, zog sich um, und raste aus Alecs Haus. Dieser nahm sich vor, einige Zeit zu warten, bis Rea ihn informieren würde. Sollte eine gewisse Zeit überschritten werden, würde er selbst bei ihm nachfragen. Natürlich machte auch er sich jetzt Sorgen…
Währenddessen hatte Steffi aufgelegt und starrte ebenfalls einige Sekunden auf das Telefon. Verdammt! Rea war bei Alec gewesen!? Wie hätte sie das denn wissen sollen? Dana hatte natürlich auch gemerkt, dass das Gespräch nicht so gelaufen war, wie sie es sich vorgestellt hatte. Steffi war augenscheinlich verwirrt gewesen, und hatte dann aufgelegt. Und, hatte sie sich verhört, oder hatte Steffi was von Rea erzählt? „Was ist mit Rea?“ fragte Dana, um die Stille zu unterbrechen, die sich immer noch über sie legte. Steffi sah sie an, dann antwortete sie: „Er war bei Alec… Scheiße… Er hat was mitbekommen, Dana. Ich fürchte, er wird in einigen Minuten hier sein… Shit!“
Sie setzte sich auf Jess‘ Bett, und auch Dana setzte sich neben sie. Sie lehnten sich aneinander, und warteten auf das Unvermeidliche. Jetzt war nur noch eine Frage der Zeit, wer zuerst da war: Der Kommissar und seine Leute, oder Rea…
Dieser beeilte sich, und fuhr, als ob der Leibhaftige persönlich hinter ihm her wäre. Was, um Himmels Willen, war jetzt schon wieder los? Hatte Jess einen Rückfall erlitten? Ging es ihr wieder schlechter? Aber wenn dies so war, wieso rief Steffi dann bei Alec an und nicht bei ihm? Er hatte keine Ahnung, doch das war ihm jetzt auch egal. Schließlich war er am Haus angekommen, parkte den Wagen, und rannte auf das Haus zu. Er klingelte Sturm, und klopfte, und nach einigen Sekunden, die ihm wie eine Ewigkeit vorkamen, öffnete ihm Steffi schließlich die Tür. Sie hatte sich schon denken können, dass es Rea war, denn der Kommissar hätte sicherlich nicht unbedingt Sturm geklingelt. Sie fragte sich bereits, wo er blieb.
„Komm rein…“ sagte sie nur, ihre Stimme klang hohl, und sie sah alles andere als gut aus. Rea trat in die Wohnung ein, und bemerkte Dana, die etwas im Abseits stand, auch sie wirkte blass, und schien geweint zu haben. Was war hier los, um Himmels Willen? Fragte er sich nun bereits zum ungezählten Male… Und das fragte er nun auch die Girls: „What is going on here? Steffi, why has you called Alec?“ Steffi blickte ihn an. Sie wollte es nicht sagen, im Grunde sollte sie es ja auch gar nicht. Es war schon ein Fehler gewesen, es Alec mitteilen zu wollen, aber Rea sollte sie, laut dem Kommissar ja gar nicht einweihen… Aber nun war es zu spät. Zudem es ja auch mehr ein „Unfall“ gewesen war. Steffi wusste, dass sie nicht mehr zurück konnte. Dennoch konnte sie ihm nicht in die Augen sehen. Sie hatte auch keine Ahnung, wie sie es ihm sagen sollte, sie selbst, und natürlich auch Dana, hatten den Schock ebenfalls immer noch nicht verdaut, wie sollten sie es jetzt und hier nur Rea erklären?
Dieser blickte immer noch auf die – noch – schweigenden Mädels. Es hatte sich eine Kälte ausgebreitet, die ihm Angst machte. „Tell me, please! Was is passiert? Something with Jess?“ Es konnte ja nur mit Jess zusammen hängen, zumal er sie hier momentan nicht erkennen konnte. „Is she ill?“ fragte er erneut, einfach aus dem Zusammenhang heraus. Was anderes fiel ihm nicht ein.Dana und Steffi blickten sich an, dann antwortete Steffi schließlich. Sie musste es sagen, es hatte keinen Zweck mehr, zu schweigen. „Nein… Krank ist sie nicht… Rea, es, es wäre besser, wenn du dich setzt. Bitte!“ Rea blickte sie an. Er sollte sich setzen. Es fröstelte ihn immer mehr. Das letzte Mal hatte er den beiden gesagt, dass sie sich setzen sollten, als er ihnen die Mitteilung überbringen musste, dass Jess entführt worden war… Jetzt sagte Steffi IHM, dass ER sich setzen sollte? Was lief hier nur? Doch er folgte schließlich ihren Worten, und setzte sich auf die Couch. Dann blickte er Steffi, und auch Dana, die näher getreten war, wieder an und seine Stimme wurde rau und hart, als er schließlich sagte: „Ich will jetzt wissen, was here läuft! TELL ME!“ Steffi nickte, dann nahm sie einen Zettel von Dana entgegen.
Dana hatte den Zettel eingesteckt, als sie die Klingel gehört hatten. Jetzt übergab sie ihn Steffi; ihr war klar, was diese damit tun würde. Und sie hatte Angst vor dem, was dann folgen würde, wenn Rea klar werden würde, wie schrecklich es wirklich um Jess stand…
Dieser wartete. Er hatte durchaus registriert, dass die beiden etwas „ausgetauscht“ hatten, doch er konnte sich noch keinen Reim darauf machen. Er wurde immer nervöser. Dennoch wartete er ab, bis eine von beiden endlich den Mund aufmachte. Schließlich war es Steffi, die langsam und für ihre Verhältnisse, viel zu leise begann zu sprechen: „Rea… es, es ist... Oh Shit, ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll…“ Dann gab sie ihm, ohne ein weiteres Wort den Zettel. „Lies das“… sagte sie nur. Sie bekam kein Wort mehr heraus. Dana hatte sich zu ihr gestellt und die beiden umarmten sich. Sie hatten beide Angst vor Reas Reaktion…
Dieser sagte auch erst einmal gar nichts, und nahm nur den Zettel entgegen. Dann begann er zu lesen.
Dana und Steffi beobachteten ihn still. Zuerst geschah gar nichts. Sie konnten nur sehen, wie Reas Augen sich weiteten. Vermutlich begriff er auch erst langsam, was er da las; es war ihnen auch zuvor nicht anders gegangen. Dann blickte er vom Zettel auf, und sah sie an. Der Schock war ihm ins Gesicht geschrieben…
Ja, Rea hatte wirklich nicht sofort begriffen, was er da zu lesen bekam. Er starrte zuerst auf den Text, und es dauerte in der Tat einige Sekunden, bis sich auch bei ihm die Worte zu sinnvollen Sätzen zusammensetzten, und er begann zu verstehen.
Sein Blut gefror ihm in den Adern. Das war nicht möglich. Das konnte nicht wahr sein! Und doch… Er blickte die Mädchen an, dann schlug er sich die Hände vor den Mund. Kurzfristig spürte er, wie sich das Zimmer drehte, doch dann riss er sich wieder zusammen. Die Stille erdrückte sie alle, noch hatte keiner gesprochen, doch schließlich ergriff Rea das erste Wort: „When did she wrote this? Wann hat sie das geschrieben?“ Dana und Steffi schüttelten die Köpfe: „Das wissen wir nicht. Es muss irgendwann heute Nacht gewesen sein… Wir haben sie noch ins Bett gebracht, da war es relativ früh, gestern Abend. Sie war müde… Später in der Nacht sind wir dann nachgekommen; bevor wir auch schlafen gegangen sind, hatten wir noch nach ihr gesehen, das war so gegen Mitternacht. Da war sie noch da und hat geschlafen – jedenfalls sah es so aus…“ fügte Steffi noch hinzu. Auf die Idee, dass sie nur so getan hatte, als würde sie schlafen, waren sie beide nicht gekommen. Es hatte so echt gewirkt… „Und keine von euch hat gemerkt, dass sie weg gegangen is?“ fragte Rea erneut. „Meinst du denn wirklich, wir hätten sie gehen lassen, wenn wir das bemerkt hätten? Mein Gott, Rea, was denkst du denn von uns?“ fragte Dana, beinahe wieder weinend.
Rea konnte nichts erwidern, er war fertig. Das was er gelesen hatte, war so surreal, das konnte einfach nicht wahr sein, und doch war es das. Denn er konnte auch sehen, dass nur zwei seiner drei Girls hier waren, und die sahen ebenfalls fertig aus. Jess hatte es tatsächlich getan. Sie hatte irgendwie herausgefunden, wo Lia war? Und nun war sie ihr gefolgt, um, ja um was? Sie zu „retten“, wie sie selbst geschrieben hatte? Rea blickte noch einmal auf den Text. Anscheinend wusste Jess, wo Lia war. Woher? Wie hatte sie das herausgefunden, und, was noch wichtiger war, warum hatte sie ihn nicht informiert? Ihn, oder den Kommissar? Als er an ihn dachte, sah er erneut die Mädels an und fragte: „Die Kommissar? Habt ihr ihn…“ seine Stimme klang rau. „Ja, natürlich, wir haben ihn verständigt; er müsste eigentlich bald hier sein“, antwortete Steffi.
Rea nahm sich erneut den Zettel vor und las ihn ein weiteres Mal. Es änderte nichts an dem Inhalt, der ihm entgegen schrie. Jess hatte sich ebenfalls in Gefahr begeben. Ohne einem von ihnen Bescheid zu sagen. Ohne ein Wort war sie gegangen – eventuell ihrem Tod entgegen!? Verdammt noch mal, sie war sicher gewesen! Wenigstens um sie brauchte er sich keine Sorgen zu machen, dachte er jedenfalls; und jetzt musste er das hier lesen?
Es reichte doch schon, dass seine Gedanken beinahe sekündlich nur um Lia kreisten, von der er nicht wusste, ob sie überhaupt noch lebte, beziehungsweise, was sie eventuell bereits getan hatte… Und jetzt kam auch noch Jess dazu? Die er hier sicher und geborgen gewusst hatte, und sich definitiv nicht hatte vorstellen können, dass diese auch nur im Ansatz so einen idiotischen, und gefährlichen! Plan aushecken könnte…
Die Gedanken kreisten in ihm, die Kälte kroch immer höher, in jede Pore seiner Adern. Vor allem, wenn er daran dachte, dass jemand ihr von Lia erzählt haben musste. Irgendwoher musste sie doch die Information haben, verdammt noch mal! Vielleicht war es Lia selbst? Doch in Anbetracht der Tatsache, dass diese nicht besonders gut auf Jess zu sprechen war, und nach dem schlimmen Streit zwischen den beiden, konnte er sich das nicht wirklich vorstellen. Also, wer dann? Er hatte keine Ahnung, aber er hoffte darauf, dass der Kommissar und seine Leute es schnell herausfinden würden. Wenn sie denn endlich einmal kämen…
Die Stille zwischen ihnen war beinahe unerträglich für Dana. Für Steffi auch, aber bei Dana war es noch schlimmer. Schließlich war sie diejenige, die sie unterbrach: „Rea, es, es tut mir so leid… Ich, ich hätte Jess niemals alleine im kleinen Zimmer schlafen lassen dürfen, nicht, nachdem was sie gestern Abend gesagt hat…“ Und sie weinte wieder leise. Rea horchte auf. „Was hat sie gesagt?“ fragte er, doch Steffi schaltete sich ein, bevor Dana antworten konnte: „Jetzt hör du auf, Dana! Weder du noch ich konnten ahnen, dass sie das ernst gemeint hat! Und sie wollte alleine sein; das hatten wir zu respektieren… Es ist nicht deine schuld! Weder meine, noch deine!“ Dann wandte sie sich wieder an Rea: „Weißt du, Rea, wir hatten gestern Abend eine kleine Diskussion… Keinen Streit, in dem Sinne, aber eigentlich hatten wir vor, die Aufteilung wieder so zu legen, dass Dana mit Jess im großen Schlafzimmer schläft und ich alleine im Kleinen. Aber Jess wollte das nicht. Sie wollte alleine sein… Sie sagte so etwas wie, dass sie über alles nachdenken wollte, und ihre Ruhe bräuchte… Aber das klang alles so neutral. Wenn sie da schon irgendwelche Pläne gehabt hatte, dann hat sie die mit nichts durchblicken lassen.“ Dana unterbrach sie: „Aber sie hat gesagt, sie gibt sich die Schuld an Lias Tat. Sie hat es ja gewusst, und wenn sie vorher etwas gesagt hätte… Sie hat gesagt, dass sie Lia finden wollte, um sie davon abzuhalten! Das hat sie gesagt!“ Rea blickte sie an. „She said it?“ fragte er, mit rauer Stimme. „Ja, nein.. ich meine, mein Gott Rea, es tut mir leid, aber ich habe das nicht für voll genommen… Ich meine, ihre Schuldgefühle schon, ja, da habe ich auch versucht, es ihr auszureden, so gut ich konnte. Ich wollte dann auch heute Morgen noch einmal mit ihr darüber reden. Aber das andere… Es klang wirklich nicht so, als hätte sie KONKRETE Pläne, einfach nur den WUNSCH, Lia zu finden und ihr zu helfen. Aber woher sollte ich denn wissen, dass sie herausfinden würde, wo sie ist – und ihr tatsächlich hinterher läuft? Das habe ich nicht gewusst…“ Plötzlich kamen auch bei Steffi die Tränen.
Rea merkte es, und er stand auf und zog die beiden Mädchen an sich heran. „I’m sorry Girls“, sagte er nur, und die beiden lehnten sich an ihn. Er spürte, dass sie weinten. Beide waren fertig, und er war es auch.
Er wusste nicht, wie lange sie schon so da gestanden hatten, als es plötzlich an der Tür klingelte. Sie zuckten zuerst zusammen, dann riss sich Steffi zusammen und sagte: „Bestimmt der Kommissar!“ Rea nickte, und er ging mit Steffi zusammen zur Tür.
Ja, es war der Kommissar, und mit ihm eine ganze Polizeikolonne. Eindeutig Kriminalkommissare, vermutlich Spurensicherung, vermutete Rea. Er vermutete richtig.
Robert Schmidt hatte einige Zeit benötigt, um alle seine Leute zusammen zu trommeln, die er brauchte. Es war auch ein IT-Spezialist dabei.
Als sie nun in den Raum eintraten, blieb Robert erst einmal die Spucke weg, denn er sah jemanden, den er hier nicht vermutet hatte, und den er eigentlich auch nicht sehen wollte. „Mr. Garvey, was machen Sie hier?“ fragte er auch schon, und blickte zu Steffi herüber, mit der er (vor ca. einer viertel Stunde / zwanzig Minuten), noch gesprochen hatte. Diese schaute schuldbewusst drein. „Ich, ich hatte ihn nicht angerufen, aber einen gemeinsamen Freund. Rea war wohl dort gewesen, er hat es mitbekommen. Tut mir Leid…“ antwortete sie, an Reas Stelle. Dieser blickte sie an, danach den Kommissar: „You don’t want me to be here? Sollte ich nichs davon wissen?“ vermutete er richtig. Hatte Steffi deswegen aufgelegt, als ihr Bewusst wurde, dass er bei Alec war. Beziehungsweise hatte sie deswegen zuerst bei ihm angerufen, weil sie ihm gar nichts davon erzählen wollte? Was ging hier ab?
Der Kommissar antwortete: „Nun, ich war derjenige, der ihrer kleinen Freundin davon abgeraten hatte, Ihnen etwas zu sagen. Solange wir noch die Spuren sichern. Sie haben genug mitgemacht, und ehrlich gesagt sind Sie mir auch im Weg… Aber gut, ich kann es jetzt nicht mehr ändern. Tun Sie mir einen Gefallen, und stören Sie uns nicht weiter. Setzen Sie sich einfach auf die Couch. Also, ich möchte jetzt wissen, was genau Sie an Informationen für mich haben.“ Er hatte sich an Steffi und Dana gewandt.
Steffi antwortete: „Wir haben einen Zettel in Jess‘ Zimmer gefunden, den hat Rea im Moment…“ Der Kommissar blickte zu Rea, der immer noch in seiner Nähe stand, und hielt ihm eine Hand entgegen. Rea nickte und zog den Zettel aus der Tasche, in den er ihn kurzfristig gesteckt hatte. Er hatte ihn jetzt mehrfach durchgelesen, und glaubte sich immer noch in einem Alptraum.
Auch der Kommissar überflog die Zeilen. Er begriff den Inhalt schon beim ersten Mal durchlesen. Er pfiff durch die Zähne. „Heiler Mist… Da haben wir tatsächlich ein ziemliches Problem!“ Er übergab ihn ebenfalls seinen Kollegen. „Also, okay, irgendwo müssen wir ja anfangen. Auf dem Zettel steht, dass Ihre Freundin herausgefunden hätte, wo Lia Dixon ist… Hat sie Ihnen gegenüber irgendetwas Konkretes erwähnt, dass sie darüber Bescheid weiß und was sie zu tun gedenkt?“ Wieder musste Dana schlucken, sie antwortete, bevor es Steffi tun konnte: „Ja, das, das hat sie – zumindest indirekt. Wir haben es nur nicht verstanden, Steffi und ich… Sie sagte uns gestern Abend, bevor sie ins Bett gegangen ist, dass sie sich die Schuld an Lias idiotischem Vorhaben gibt, und dass sie ihr „helfen“ müsste. Sie wollte sie finden! Wenn wir doch nur besser auf sie aufgepasst hätten!“ „Dana!“ sagte Rea, dieses Mal war er derjenige, der sie in ihren Selbstvorwürfen unterbrach. „Wir wussten nicht, dass sie es ernst gemeint hatte. Und gestern Abend klang es auch noch nicht so, als würde sie wirklich wissen, wo sich Lia aufhält… Es war nur so eine… Absicht, dass sie es gerne tun würde. Ach, ich weiß es doch auch nicht…“ und auch Steffi brach beinahe zusammen.
Rea nahm die beiden Mädchen und führte sie zur Couch, dann setzten sie sich und er zog sie an sich. Er konnte spüren, wie sie zitterten, ihm erging es vermutlich nicht anders. Der Kommissar sah sie mitfühlend an. „Gut, also gehen wir mal davon aus, dass sie es gestern Abend wirklich noch nicht wusste, und auch noch keinen wirklich konkreten Plan hatte. Dann muss in der Nacht irgendetwas geschehen sein, dass dies geändert hat. Ist Ihnen sonst noch etwas aufgefallen? Wie sieht es mit Nachrichten aus? Haben Sie einen Computer hier?“ Dana und Steffi nickten, und Steffi stand langsam auf, um in einem kleinen Schrank an der Seite eine Schublade aufzuziehen. „Wir haben einen gemeinsamen Laptop“, sagte sie. „Das ist gut. Haben Sie auch eine gemeinsame E-Mailadresse?“ fragte der Kommissar weiter. „Nein, jeder von uns hat eine eigene…“ antwortete Steffi merklich erstaunt. „Warum fragen Sie das?“ „Nun, irgendwie muss die junge Frau an die Informationen gekommen sein. Wenn wir davon ausgehen, dass sie es gestern Abend noch nicht wusste, dann muss dies ja wohl in der Nacht geschehen sein. Vielleicht ist sie, unbemerkt von Ihnen beiden, hier herunter geschlichen, und hat sich ihre E-Mails angeschaut? Davon ab, wie sieht es mit ihrem Handy aus? Die junge Frau hat doch sicherlich eins?“
Dana fuhr beinahe erschrocken auf, denn ihr fiel jetzt erst wieder ein, dass es ja oben in Jess‘ Zimmer lag… „Ja, das hat sie, es ist noch oben… Soll ich es holen?“ Der Kommissar sah sie an, dann nickte er und sagte: „Also hat sie es hiergelassen. Schade, dann können wir uns die Ortung sparen. Aber das wäre ja auch schon zu leicht gewesen… Ja, holen Sie es bitte.“
Dana raste nach oben und kam wenige Augenblicke später mit Jess‘ Smartphone wieder zurück. Dana und Steffi hatten sich wieder zu Rea gesetzt. „Was passiert jetz?“ fragte dieser, den Kommissar und die anderen Kripobeamten nicht aus den Augen lassend. „Jetzt wird unser IT-Spezialist sich um den Laptop und das Smartphone kümmern. Vielleicht bekommen wir Informationen. Es wird sicherlich ein wenig dauern; sagen Sie uns bitte noch die E-Mailadresse Ihrer Freundin?“ Steffi nannte sie ihm. Dann hieß es wieder warten. Alle drei saßen wie auf heißen Kohlen.
Steffi überlegte: Dass Jess hier herunter geschlichen sein konnte, um ihre E-Mails zu lesen, glaubte sie kaum. Im Übrigen hätte sie das auch nicht nötig gehabt, die hätte sie doch auch von ihrem Smartphone aus lesen können. Da kamen sie doch auch in ihr Postfach… Aber wenn doch? Wenn sie eine Mail bekommen hatte? Oder eine SMS? Aber von wem, und warum? Ihr fröstelte noch mehr, als ohnehin schon. Reas und Danas Gedanken waren ähnlich, und sie konnten die Zeit kaum ertragen, die dieser IT-Experte sich schon mit der Technik beschäftigte.
In der Zeit hatten die anderen Beamten sich auf die Spurensuche begeben, aber so wirklich fündig waren sie nicht geworden. Im Fahrradkeller, den sie auch untersuchten, schien ein Fahrrad zu fehlen, zumindest fanden sie dort nur ein achtlos hingeschmissenes Fahrradschloss. Sie brachten es nach oben und zeigten es den beiden jungen Frauen. Dana und Steffi erkannten es sofort als Jess‘. Also war Jess mit ihrem Fahrrad gefahren? Ihnen wurde noch schlechter. Wo war sie nur?
Nach einiger Zeit, keine der drei wusste, wie lange genau, ließ sich der IT-Experte plötzlich vernehmen: „Ich denke ich hab was!“ Rea schnellte von der Couch auf, doch Robert wies ihn an, sitzen zu bleiben. Er konnte Rea ansehen, wie „gerne“ er seine Anweisung befolgte, aber er tat es. Doch er war unter Hochspannung.
Robert kam zu seinem Kollegen, und sah, wie dieser ihm das Smartphone entgegen hielt. „Eine gelöschte SMS. War einigermaßen easy, sie zurück zu holen. Eingang so circa gegen kurz vor fünf Uhr heute Morgen.“
Robert nahm das Handy entgegen und las die Nachricht. Er pfiff durch die Zähne. „Das dürfte alle Fragen klären, abgesehen davon, WER die Nachricht geschrieben hat…“ Er kam nicht weiter, Rea hielt nichts mehr auf der Couch, er war vorgeschnellt, und hatte ihm das Phone entrissen. Dann las er ebenfalls die Nachricht, und ihm war noch schlechter als nach dem Lesen des Zettels. „My God…“ sagte er nur. Er war käsebleich geworden. „Was, was ist denn los?“ fragte Dana ängstlich. „Bleiben Sie bitte wo Sie sind!“ antwortete der Kommissar nur, und sagte dann, an Rea gewandt: „Geben Sie mir bitte das Handy zurück? Das ist ein Beweismittel, Mr. Garvey – Rea!“ Rea reagierte, indem er ihm das Smartphone zurückgab. Dann wandte er sich an den Kommissar: „Sie haben die Adress! Werden Sie jetz dorthin fahren?“ Wieder hörten sie Dana: „Sie wissen, wo Jess ist?“
Steffi versuchte, ihre Freundin zu beruhigen, doch auch sie war hellhörig geworden.
Robert blickte Rea an, und antwortete: „Ja, das haben wir, und ja, wir werden jetzt dorthin fahren. Aber Sie bleiben definitiv hier!“ denn er konnte sich vorstellen, warum Rea das gefragt hatte. Dieser schüttelte den Kopf: „No, I will come with you“. “Mr. Garvey, es gibt keine Diskussion! Es reicht! Wir haben keine Zeit dafür! Sie bleiben hier, das ist ein offizieller Polizeieinsatz, da kann ich Sie nicht dabei haben. Wir haben keine Ahnung, was uns da erwartet. Sie sind Zivilist! Also, end of Discussion! Um es mit Ihren Worten auszudrücken. Wir haben unsere Informationen, und jetzt werden wir alles daran setzen, so schnell wie möglich dort zu sein. Wir tun alles, um beide jungen Damen sicher wieder nach Hause zu bringen. Zu Ihnen! Vertrauen Sie uns. Guten Tag. Kommt“, sagte er dann noch zu seinen Kollegen, und diese verließen das Haus. Den Laptop ließen sie da, nur Jess‘ Smartphone mit der wiederhergestellten SMS, inklusive der Wegbeschreibung, nahmen sie mit; und, um später herauszufinden, wer die anonyme SMS geschrieben hatte…
Als die Tür ins Schloss gefallen war, blieben Rea, Dana und Steffi völlig erschlagen beieinander. Sie hatten eine Spur gefunden. Das war großartig! Aber bei Dana und Steffi kamen erneut Ängste hoch, was sie wohl bald erfahren würden.
Und Rea wusste noch mehr. Er hatte die SMS gelesen, und ihm war schlecht geworden, bei dem, was er lesen musste. Jetzt wusste er, woher Jess die Information über Lias Aufenthaltsort kannte. Aber immer noch nicht, von wem! Auch, wenn er vielleicht einmal kurz an Lia gedacht hatte, wusste er jetzt, dass das nicht Lia gewesen war. Derjenige hatte sich als „Freund“ bezeichnet… Er fröstelte, als er daran dachte was er noch gelesen hatte, und ihm die Bedeutung dessen erst richtig Bewusst wurde: zum Schluss hatte er geschrieben: „Rick wird auch da sein“…
Er musste hinterher! Auch, wenn er wusste, dass der Kommissar das nicht akzeptieren würde, es war ihm egal. Er hatte die Wegbeschreibung auch gelesen, auch, wenn ihm Robert Schmidt das Smartphone sehr schnell wieder abgenommen hatte, doch er hatte es sich trotzdem eingeprägt. Er musste hinterher! Ihm blieb gar nichts anderes übrig. Doch natürlich durften die Girls nichts davon wissen. Er verabschiedete sich von Dana und Steffi, die ihn natürlich fragten, wo er hin wollte. „Back home“, sagte er nur. „I’m tired… Vielleicht auch noch mal kurz zu Alec…“ es tat ihm selber leid, die beiden anlügen zu müssen, aber ihm blieb nichts anderes übrig. Sie würden ihn aufhalten wollen. Obwohl sie das nicht schaffen würden, aber er musste es ja nicht schwerer machen, als es war. Und Alec sollte natürlich erst recht nichts davon wissen.
Steffi antwortete: „Ja, okay, fahr zu Alec, dann kannst du dich mit ihm ein wenig austauschen und dich ausruhen.“ Bevor Rea ging, nahm er noch einmal „seine Girls“ in den Arm und sagte, an beide gewandt: „Das konnt ihr jetzt auch! Jess is bald zurück, und Lia auch!“ dann ließ er sie los, und ging. Die Tür fiel ins Schloss, und die Mädels schauten ihm durch das Fenster hinterher, bis er aus ihrem Blickfeld verschwunden war. Dass er nicht vorhatte, zu Alec zu fahren, und auch nicht in sein, und Lias zu Hause, konnten sie ja nicht ahnen.
Nein, Rea fuhr weder zur einen noch zur anderen Wohnung, sondern er versuchte, der Beschreibung zu folgen, die er gerade noch so im Kopf hatte. Sicher hatten die Polizisten einen Vorteil ihm gegenüber, sie hatten Jess‘ Handy, aber er hatte ein gutes Gedächtnis. Und so kam es, dass er, mit einigen Minuten Verzögerung, hinter den Kommissaren herfuhr, die bereits auf einem guten Weg zur Hütte waren, in der sich bereits das Drama abspielte. Da sie aber noch immer ein gutes Stück vor sich hatten, und irgendwann auch nicht mehr so einfach weiter fahren konnten; es hieß ja nicht umsonst „safe house“ und war gut versteckt, dauerte es noch eine Weile. Es war nicht unmöglich, aber der Weg wurde irgendwann immer undurchdringlicher. Und schwieriger, vor allem für Autos.
Rea fuhr stillschweigend dahin – und in ihm wallten die Gefühle; vor allem Kälte und Angst, als er erneut an die SMS dachte, die dank des IT-Spezialisten wieder hergestellt worden war. Was hatte er dort gelesen? „Rick wird auch da sein“…
Rea versteifte sich und trat aufs Gas…

