Besuch im Krankenhaus

Es waren erneut einige Stunden vergangen, und schließlich waren auch Sascha mit Dana und Steffi im Krankenhaus eingetroffen. Sie konnten es kaum erwarten, Jess zu sehen, besonders Dana war mehr als hibbelig, was Sascha schon ein wenig beunruhigte. Eigentlich war Dana mittlerweile nicht mehr so ungestüm wie früher, auch sie war erwachsener geworden, aber durch die Angst um, und Sehnsucht nach, ihrer besten Freundin kam wieder etwas von ihrer alten Art durch. Und ob das so gesund war, im Hinblick auf Jess' derzeitigen Zustand, wagte Sascha zu bezweifeln. Er nahm sich vor, noch einmal mit ihr zu sprechen, bevor sie ins Krankenzimmer gehen würden. Steffi war eher still und in sich gekehrt, doch auch das machte ihm Sorgen. Dennoch konnte er es nicht ändern, und so suchte er schließlich vor dem Krankenhaus einen Parkplatz, und dann gingen sie gemeinsam zum Empfangsschalter, an dem ihnen gesagt wurde, wo genau Jess und Lia zu finden waren. Sascha ermahnte Dana noch einmal, langsam und ruhig zu sein, und sie versuchte es zumindest. Doch man merkte ihr die innere Spannung an.

Schließlich waren sie angekommen. Sascha sah sofort seinen guten Freund Alec draußen vor dem Zimmer sitzen, von Rea und Jennifer war nichts zu sehen, und er konnte sich denken, dass diese in dem Zimmer waren. Er wollte gerade ansetzen, zu fragen, wie es Jess ging, als Alec aufstand und ihm entgegen kam: "Hi, da seid ihr ja.. Also, es gibt kurze News, bezüglich Jess und Lia: Lia ist jetzt auch wach, ist noch nicht allzu lange her, aber es scheint ihr den Umständen entsprechend gut zu gehen. Rea war mal kurz draußen und hat es uns erzählt; leider hatte Jess wohl wieder so etwas wie einen erneuten Schock mit Magenschleinhautreizung, kurz nach dem Aufwachen aus dem Koma, die Ärzte mussten sie erneut "schlafen legen" - Keine Angst, fügte er hinzu, als er in die geschockten Gesichter von Dana und Steffi sah, "es wird wohl nicht mehr so lange dauern, bis sie wieder aufwachen wird, und Jennifer ist auch wieder rein um bei ihr zu sein, wenn es soweit ist."

Dann wandte er sich mit ernster Miene an Dana und Steffi: "Hört zu, Mädels: Es ist wirklich wichtig, dass ihr sie schont, okay? Sie ist wach, aber sie ist vermutlich noch lange nicht über den Berg! Die Reaktion, die sie als letztes wieder gezeigt hat, die Magenschleimhautreizung, ist ein Zeichen, dass sie noch sehr anfällig ist, und überreagieren kann! Also bitte; ich weiß, wie viel euch Jess bedeutet, genauso viel wie uns allen, aber bitte haltet euch zurück! Es kann sein, dass es ihr zu viel wird, dann werdet ihr wieder gehen. Das hier ist die Intensiv, darauf hat uns der Oberarzt hier immer wieder hingewiesen... Und ob es Lia wirklich so gut geht, wie Rea es kurz beschrieben hat, weiß ich auch nicht, also bedrängt sie bitte auch nicht", schloss er seinen kurzen "Bericht" ab.
Dana blickte ihn an: "Keine Sorge, von der wollen wir eh nichts! Wir wollen nur endlich zu Jess! Bitte, wann können wir endlich rein?" Alec blickte sie an und zog kurz eine Augenbraue hoch. "Na na, mal ein wenig freundlich, Kleine... Also, wie ich schon sagte, im Moment schläft sie Jess eh noch, da ist es ohnehin unsinnig, jetzt schon rein zu gehen.. Rea oder Jennifer, einer von beiden, wird uns schon sagen, wenn Jess wieder aufwacht. Und ihr werdet bitte auch Lia gegenüber höflich sein, oday??"
Sowohl er als auch Sascha wussten, dass die Mädchen mit Lia nicht ganz so gut klar kamen, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ungeschönt konnte man sagen, sie mochten sich nicht besonders. Aber das sollte man hier nicht unbedingt heraus hängen lassen...
Und so mussten die beiden Mädchen sich weiterhin in Geduld üben, was besonders für Dana eine Qual war. Doch was blieb ihr anderes übrig? Nichts...

Einige Zeit verging, in der Rea bei Lia saß und ihre Hand hielt, und Jennifer neben der schlafenden Jess Wache gehalten hatte. Das Glitzern, das Rea kurz einmal in Lias Augen gesehen hatte, und das er nicht hatte einordnen können, war verschwunden, und er hatte es nicht weiter beachtet. Vermutlich hatte er sich geirrt, und es war doch nur eine Träne der Trauer und sicherlich auch Wut gewesen. Und die war nur zu verständlich. Also blieb er bei ihr und drückte ihre Hand, um ihr zu zeigen, dass er bei ihr war.
Endlich wachte auch Jess wieder auf. Zuerst wusste sie nicht recht, wo sie war, doch dann fiel ihr Blick auf Jennifer, die neben ihr saß, und es fiel ihr wieder ein: "Hey, alles ist gut, du bist in Sicherheit!" flüsterte Jennifer, und Rea, der auf der anderen Seite saß, hörte es: "Is she awake?" fragte er, und auch Lia sah zu dem - noch, beziehungsweise wieder - zugezogenem Vorhang herüber: "Jess?" fragte auch sie, und diese antwortete matt: "Ja... Lia, bist, bist du okay? Geht es dir gut?" Sie weinte. Rea sah, wie auch Lia schlucken musste, dann antwortete sie: "Ja, mir geht es gut! Die Bastarde kriegen uns nicht mehr, Jess! Nie wieder!" Und wieder war etwas in ihren Augen, und auch irgend etwas in ihrer Stimme, was Rea nicht einordnen konnte. Doch er ignorierte es. Vermutlich bildete er es sich nur ein! Dann drückte er kurz Lias Hand, ließ sie los und stand auf, um zum Vorhang zu gehen, und ihn aufzuziehen. Er blickte liebevoll auf Jess hinab, wie ein älterer Bruder, denn so fühlte er ja mittlerweile für seine "achte Schwester". "Hey, Jess.. Ab jetzt machst du mir keine Sorgen mehr, okay?" flüsterte er, und strich ihr kurz über ihre Wange. Jess blickte zu ihm hin. "Rea... Tut, tut mir leid, ich, ich wollte euch keine Sorgen machen..." flüsterte sie, mit erstickter Stimme zurück. Rea zuckte erschrocken zusammen. "Hey, das war nich so gemeint! Es sollte nur eine Joke sein! Tut mir leid..." sagte er. Jennifer sah ihn an, und er merkte, dass es wohl bei Jess noch zu früh für seine kleinen, gut gemeinten "Scherze" war. Würde sie jemals wieder so sein wie früher? Er wusste es nicht.
Dennoch riss er sich zusammen und lächelte sie an. Seine Augen waren froh und traurig zugleich, und Jess registrierte, dass sie im Krankenhaus lag. Sie waren tatsächlich in Sicherheit; es war kein Traum gewesen! "Wie fühlst du dich?" fragte Jennifer, und Jess blickte von Rea zurück zu ihr. "Ich, ich weiß nicht... Besser als vorhin, schätze ich. Zumindest ist mir jetzt nicht mehr so schlecht..." Sie konnte sich langsam wieder daran erinnern, dass ihr kurze Zeit zuvor - wie lange es her war, wusste sie nicht - ziemlich schlecht geworden war. Hatte sie sich nicht übergeben? Wenn es so war, bemerkte sie nichts mehr davon. "Kleines, es wird besser, das verspreche ich dir. Und ich bin wieder hier, um für dich da zu sein, wenn du mich brauchst, das weißt du hoffentlich? Und genauso Rea und die anderen!" fügte Jennifer noch hinzu. Rea lächelte sie an und nickte ihr dankend zu, dann strich er Jess noch einmal durch die Haare und küsste sie auf die Stirn. "I will go back to Lia now, but I am here! Direkt neben dir!" und damit ging er zurück zu seinem Platz neben Lias Bett. Diese sah ihn an, und wieder war etwas in ihrem Blick..
Wenn er es nicht besser wüsste, dann könnte er beinahe meinen, sie wäre eifersüchtig.. Aber das war ja wohl nur Einbildung. Worauf sollte Lia denn eifersüchtig sein? Er setzte sich wieder neben sie und hielt erneut ihre Hand...

Jess' Gesichtszüge hatten sich erhellt, als sie Jennifers Worte gehört hatte. Dass Rea hier war, sah sie ja, auch, wenn er verständlicherweise die meiste Zeit bei Lia war, dennoch war er auch in ihrer Nähe, was sie sehr beruhigte. Doch jetzt dachte sie unwillkürlich auch an ihre Freundinnen und Alec und Sascha. "Wo, wo sind sie? Kommen sie auch bald her?" fragte sie, und an ihrer Stimme merkten sowohl Rea als auch Jennifer, dass sie extrem schwach war. Auch, wenn sie versuchte, sich zusammen zu reißen. Jennifer blickte einmal kurz zu Rea herüber, dann antwortete sie: "Nun, soweit ich weiß, hat Alec den anderen Bescheid gegeben. Ich kann ja mal kurz nachschauen, ob sie mittlerweile hier sind. Aber ich hoffe, du kannst soviel Besuch empfangen, Kleines... Wenn nicht, dann sag es, dann verschieben wir den Besuch deiner Freundinnen und der Jungs auf später..." Weiter kam sie nicht, denn Jess schüttelte den Kopf: "Ich will sie sehen, wenn sie hier sind, bitte! Bitte!" Und es klang so viel Sehnsucht aus ihrer Stimme, dass Jennifer kurzerhand aufstand, und zur Tür ging.

Kaum hatte sie diese geöffnet, sah sie auch schon, wie Dana aufsprang, und sie aufgeregt fragte: "Ist sie aufgewacht? Können wir endlich zu ihr?" "Hey, hab ich eben nicht noch was gesagt?!" wies Alec sie leicht mürrisch zurecht. Jennifer kam nicht umhin, zu schmunzeln. "Also, zuerst einmal: Ja, sie ist aufgewacht, und ja, ihr könnt jetzt zu ihr - allerdings denke ich, dass ich Alecs Worten entnehmen kann, dass er euch bereits einiges zu Jess' derzeitigem Zustand erklärt hat. Es hat sich nichts verändert: Sie ist noch sehr schwach. Es geht ihr zwar etwas besser als vorhin, die Schleimhautreizung scheint vorbei zu sein, was sicherlich den Medikamenten zu verdanken ist. Aber trotzdem braucht sie weiterhin Ruhe! Also, ihr beide geht jetzt da rein, so ruhig ihr könnt. Und besonders du, Dana, wirst dich am Riemen reißen, verstanden?" Etwas sanfter fügte sie hinzu: "Ich weiß was eure Freundin euch bedeutet, und genau deswegen müsst ihr auf sie acht geben. Jede Form der Aufregung kann sie wieder zurück werfen. Und die Magenschleimhautreizung war da nur das kleinste Übel..." Alec blickte sie an, und er verstand was sie meinte. Sie durfte auf keinen Fall wieder einen Flashback bekommen. Egal welcher Art. Und da sie noch nicht genau wussten, was die Auslöser dafür waren, konnte es praktisch jede Art von Aufregung sein...
Dana und Steffi hatten den Zusammenhang noch nicht so ganz begriffen, dennoch wussten auch sie, dass sie vorsichtig sein mussten. Und doch wurde die Warterei langsam zur Qual. Die Sehnsucht stieg ins Unermessliche an, und schließlich schob Jennifer die Türe auf, und Dana flitzte an ihr vorbei. "Dana!" hörte sie noch einmal die mahnende Stimme der Psychologin, hinter sich.
Doch es war bereits "zu spät". Jess hatte ihr Freundin bereits gesehen, beziehungsweise gehört, als sie noch vor der Tür gewesen waren. Sie setzte sich auf, so gut sie es konnte, und breitete ihre Arme aus. Dana konnte nicht anders, sie flog in sie, und drückte sie an sich. "Jess... Oh Gott, Jess, ich bin so froh, dass du lebst..." Steffi, die hinter ihr stand, versuchte, sie ein wenig von ihr fort zu ziehen. "Dana... Du hast doch gehört, was Jennifer und Alec gesagt haben..."

Weiter kam sie nicht. In dem Augenblick, in dem Dana sich in Jess' ausgebreitete Arme geworfen hatte, kam ein kurzes "Bild" in ihren Kopf. Sie "sah" sich an den Moment erinnert, kurz bevor Rick sich auf sie gelegt hatte, im wilden Begehren, sie zu nehmen. Sie wusste noch, dass sie kurze Zeit zuvor geträumt hatte, und dieser Traum war ihr ebenfalls so real vorgekommen.. Auch dort waren Dana und Steffi bei ihr gewesen, in ihrem eigenen Zu Hause, auch dort hatten sie sie umarmt; bis die Umarmung immer fester und unangenehmer wurde. Beinahe so fest, dass sie gedacht hatte, sie wollten sie erdrücken... Und schließlich war sie aufgewacht, und dann lag ER auf ihr...
Jess keuchte auf. Es kam ein kurioser Laut aus ihrer Kehle, der kaum zu erkennen war, was genau er bedeuten sollte. Alec, der ebenfalls in das Zimmer eingetreten war, zog Dana von Jess fort.
Auch Rea war auf sie aufmerksam geworden und trat erneut zu ihr. Jess sah furchtbar aus: Sie hatte aufgerissene Augen und hatte sich aufgebäumt. "Not again... Jess! JESS!" brüllte Rea, und Jennifer beugte sich zu ihr herunter: "Jess? Hey, alles ist gut, du bist in Sicherheit, Jess! Alles ist gut! Was auch immer du gerade "siehst", es ist NICHT real!" Erneut wiederholte sie die Worte, die sie zu Beginn schon einmal gesagt hatte. Und langsam wurde Jess ruhiger.
Sie blickte mit Tränen in den Augen zu Jennifer, dann zu Rea, der auf der anderen Seite des Bettes stand, und dann zu ihren Freundinnen, die wieder etwas abseits von ihr standen; Alec und Sascha waren hinter ihnen und sahen sie erneut höchst besorgt an. Langsam kam es in ihrem Kopf an, dass es dieses Mal tatsächlich ihre Freundinnen waren, die dort standen, und dass sie wirklich frei waren.

Sie entspannte sich wieder und schloss kurz die Augen, um zu versuchen, die Tränen aufzuhalten, die ihr aus den Augen flossen. Hörte es denn nie auf?
Schließlich hatte sie sich wieder beruhigt. Meinte sie jedenfalls.. "Es, es tut mir leid.. Es ist nur, ich, ich hab mich an einen Traum erinnert.. Da, da wart ihr auch da, und, er war so... so real... Ich hab wirklich geglaubt, ich wäre in Sicherheit, doch dann, dann wurde er so, so unwirklich...  Alles ist verschwommen, ihr, ihr habt mich zum Schluss fast zerquetscht... Es hat so weh getan, und als, als ich dann aufgewacht bin, da war er... Er..." Sie konnte nichts weiter sagen, doch die anderen wussten, was sie gemeint hatte. In Rea zog sich alles zusammen. Es musste der Augenblick gewesen sein, von dem Lia erzählt hatte, als der Bastard versucht hatte, sie zu vergewaltigen. Wieder schritt Jennifer ein, bevor es noch einmal zu einem schlimmeren "Flashback" kommen konnte. Das war ein "kleinerer" dieser Art gewesen... "Alles ist gut. Niemand tut dir mehr etwas, okay? Und du brauchst dich auch nicht zu entschuldigen, Jess. Für gar nichts!"

Weiter kam sie nicht, Alec schritt ein, in dem er knapp einwarf: "Ich denke, es war ein Fehler, die Mädels hierher zu bringen, es ist noch zu früh! Vor allem, wenn ihr euch nicht an vorher getroffene Absprachen haltet!" Es war klar, wen er meinte, und sein Ton war säuerlich, obwohl er sich schon bemühte ruhig zu bleiben. Dana traten Tränen in die Augen, als sie antwortete: "Es tut mir leid... Das, das wollte ich nicht.. Oh Gott, Jess, es tut mir so leid..." Irgendwie kam ihr jetzt erst zu Bewusstsein, was das alles bedeutete, was Alec und auch Sascha ihnen erzählt hatten. Sie hatte sich einfach nur so gefreut, und sich mal wieder ohne Nachzudenken, dieser Freude hingegeben. Jetzt merkte sie, dass dies ein folgenschwerer Fehler gewesen war.
Jess blickte zu Alec, und dann zu ihren Freundinnen. Langsam hatte sie sich wieder beruhigt. Die Farbe war auch langsam wieder in ihr Gesicht zurück gekehrt, nachdem sie ein wenig blass geworden war. Dann sagte sie: "Nein, ist, ist schon gut. Bitte, bleibt hier. Ich, ich bin so froh, euch endlich wieder zu sehen, es war so schrecklich, und ich, ich brauche euch.. Euch alle. Bleibt hier, bitte!"

Dana blickte kurz zu Alec hoch, und dieser nickte schließlich: "Okay.. Aber vorsichtig! Lasst es bleiben, Jess zu umarmen! Setzt euch einfach zu ihr, ich hole ein paar Stühle von draußen. Bleibt in ihrer Nähe, aber kommt ihr nicht zu nahe! Ihr versteht schon, was ich meine!" Dann lief er nach draußen und holte zwei zusätzliche Stühle, für Dana und Steffi. Einige Schritte vor dem Zimmer sah er einen neuen Polizisten stehen, der zuvor dort gestanden hatte, war wohl gerade abgelöst worden. Er nickte ihm nur kurz zu, dann kehrte er ins Zimmer zurück. Dana und Steffi dankten ihm und setzten sich hin. Jess blickte nur noch zu ihnen und streckte ihnen einen Arm hin, der bis zu den Ellenbogen verbunden war. Beide Mädchen starrten darauf. Jetzt machte es beinahe den Eindruck, als traute sich keiner mehr, sie auch nur leicht anzufassen, oder gar etwas zu sagen. Jess schluckte nur und sagte: "Mit mir reden könnt ihr schon..." Dann folgte ein kurzes, aber beinahe strahlendes Lächeln. Es war nur kurz, aber es war für beide Mädchen mit einem wunderschönen Sonnenaufgang gleichzusetzen. Und dann nahm Dana langsam und vorsichtig ihre unverletzte Hand und hielt sie sanft fest. Und sie begannen, sich zu unterhalten. Über belanglose Themen, wie das Wetter, und was es neuerdings im Kino gab... Beide Mädchen wollten Jess einfach nur ablenken, sie von dem Schmerz befreien, und an etwas anderes denken lassen, als an den Horror, den sie erlebt hatte.
Und Rea blickte ebenfalls noch einmal zu ihnen herüber. Nach dem ersten Schock, der in ihn gefahren war, als er Jess' erste Reaktion auf Danas - wohl zu stürmische - Umarmung miterlebt hatte, hatte auch er sich wieder beruhigt und wandte sich wieder Lia zu...

 

Diese hatte natürlich Jess' erneuten Anfall ebenfalls mitbekommen und setzte sich so gut wie sie es konnte auf, als sie dann auch noch Rea zu ihr herüber gehen sah. Die Gefühle, die sie gerade überkamen, waren kaum zu beschreiben. Zuerst einmal missfiel ihr das ganze Gewusel hier extrem. Sie wollte am Liebsten mit Rea alleine sein; weshalb waren sie und Jess überhaupt in einem gemeinsamen Zimmer? War das so üblich?
Sie nahm sich vor, es beizeiten zu fragen, doch nun war definitiv der falsche Zeitpunkt dafür. Schon als diese Psycho-Tante da ankam, anscheinend nur für Jess, ging ihr das - gelinde gesagt - auf den Geist, doch das konnte sie ja gerade noch verstehen, immerhin hatte Jess schwere Probleme und dafür war die Tante ja anscheinend da. Und auch früher schon da gewesen.
Und wenn die ihrem Rea nicht zu nahe kam, dann war dahingehend auch alles in Ordnung. Allerdings bemerkte Lia schon so den einen oder anderen Blick, den Jennifer ihrem Rea zwischendrin immer wieder zugeworfen hatte... In ihr grummelte es, doch sie versuchte, sich zusammen zu reißen. Und dann kamen diese verdammten Weiber, die "besten" Freundinnen, und da war alles aus. Nicht nur, dass ihr die beiden schon immer auf die Nerven gegangen waren, sie hatte von Anfang an eine Anipathie gegen beide gehabt, besonders aber gegen diese nervige Dana. Zu allem Überfluss war genau die jetzt auch noch Schuld daran, dass Jess anscheinend einen neuen "Flashback" - einen Erinnerungsschub - bekommen hatte! Und die durften trotzdem bleiben??
Und dann ging Rea auch noch - wieder einmal - von ihr fort zu Jess rüber, obwohl er kurze Zeit zuvor schon einmal bei ihr gewesen war! Nur deretwegen! Lia spürte Wut in sich, doch noch versuchte sie, es zu bändigen; sie wollte es sich nicht allzu sehr anmerken lassen, zumal schließlich, nach gefühlten Ewigkeiten, Rea wieder zu ihr zurück kam, und sich erneut neben sie setzte. Ob er etwas von ihrem Gemütszustand bemerkte, wusste sie nicht, sie versuchte jedenfalls, ihn wieder anzusehen, wie immer; aber es blieb leider nicht aus, dass sie einiges von diesem belanglosem Geplapper mitbekam, mit dem die beiden Vollidiotinnen Jess belaberten. Und ihr wurde beinahe schlecht dabei...

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Christal, 31
Traumland