Befragungen

Kommissar Schmidt war im Gefängnis angekommen, in dem Franko festgenommen worden war. Er hatte schweißnasse Hände. Hatten sie endlich, beziehungsweise endgültig diesen Bastard gefangen? Er hoffte es, und er hatte bei seinem Telefonat mit seinen Kollegen klargemacht, dass er auf jeden Fall bei der Befragung dabei sein wollte und sie ja nicht ohne ihn anfangen sollten. Immerhin war das sein Fall, auch, wenn der Typvon den anderen Kollegen festgenommen worden war.
Schließlich war er dort und und hastete ins Gebäude. Er wurde bereits von den dortigen Kollegen in Empfang genommen: "Wir haben ihn bereits in das Verhörzimmer geführt, er wartet dort. Kommen Sie", sagte der Kollege knapp, aber gerade noch die Form der Höflichkeit wahrend. Robert Schmidt nickte nur und folgte ihm, dann waren sie vor einem kleinen Zimmer angelangt.  Robert konnte ihn durch eine Glasscheibe sehen, doch er wusste, dass er ihn durch genau diese von dessen Seite nicht sehen konnte. Er sammelte sich kurz, dann atmete er einmal tief durch, und betrat, zusammen mit seinem polnischen Kollegen, den Raum.

Franko hatte bis dahin zusammen gesunken an dem Tisch gesessen. Seine Hände waren mit Handschellen gefesselt, und es stand ein Beamter bei ihm vor der Tür, der aber nicht für die Befragung zuständig war, sondern zu seiner Bewachung. Er sagte die ganze Zeit kein einziges Wort, und selbst Franko, der einiges gewohnt war, bekam bei der Stille, die um ihn herum herrschte, Gänsehaut des Unwohlseins. Ihm war wohl bewusst, dass auf der anderen Seite der Scheibe, die auch er sehen konnte, Polizisten standen; es war eine dieser "Gefängnisscheiben" von denen man nur in eine Richtung blicken konnte, nämlich von draußen in seinen Raum. Er sah nur schwarzes Glas. Er starrte die ganze Zeit, während er auf das Unvermeidliche wartete, von dem Tisch, an dem er saß, zu eben diesem Fenster und zur Türe. Irgendwann mussten sie kommen. Und er hatte sich vorgenommen, zu schweigen. Von ihm erfuhr niemand etwas! Er war kein Verräter! Abgesehen davon, dass er ohnehin nicht wusste, wie viele von ihnen von den Bullen verhaftet worden waren. Die meisten waren doch vermutlich in dem Gemetzel umgekommen! Die Mörderschweine hatten sie doch alle kaltblütig erschossen! Also nahm Franko sich vor, zu schweigen. Dann ging die Tür auf...

Robert und seine Kollegen traten in den Raum ein. Robert nahm sich einen Stuhl und setzte sich, der andere Kommissar blieb stehen. Franko war direkt klar, was sie hier "spielten" - vermutlich das gute, alte Polizeispiel: Guter Cop, böser Cop... Wir originell... Er würde sich nicht unterkriegen lassen. Sie konnten ihm gar nichts!
Er war nicht vorbestraft, zumindest das hatte er geschafft, in den langen Jahren seiner Mitgliedschaft in der Gruppe hatte er sich nicht einmal verhaften lassen; keiner von ihnen. Und wirklich beweisen konnten sie ihm im Grunde doch auch nichts. Was war eigentlich mit seinem Recht auf einen Anwalt? Noch hatte sich keiner hier blicken lassen... Auch ohne den würden sie keinen Ton aus ihm heraus bekommen, die konnten ihn nicht für dumm verkaufen, er kannte seine Rechte!

Also schwieg er und schaute dem Kommissar, der sich ihm gegenüber auf den Stuhl gesetzt hatte, genau in die Augen. Ein Zeichen, dass er sich nicht einschüchtern lassen würde! Von niemandem!
Robert interpretierte das Zeichen richtig. Er blickte ihm ebenso fest ins Gesicht und begann dann mit seiner Befragung: "Also, es ist bewiesen, dass Sie Teil einer Schiebebande waren, die Frauen und Mädchen aus Deutschland ins nahe liegende Ausland verbracht haben. Wir waren dieser Bande schon lange auf den Fersen und haben sie nun zerschlagen. Sie müssen es ja wissen, immerhin waren Sie dabei. Möchten Sie uns etwas erzählen? Immerhin haben Sie ohnehin keine Chance mehr, hier heraus zu kommen. Wir wissen, dass Sie Teil der Bande waren. Es wäre also nur zu Ihrem Vorteil, wenn Sie uns noch mehr über diese Männer und ihre Machenschaften erzählen. Also?"
Franko sah ihn an. Es war nur allzu klar, was der Typ von ihm wollte. Vermutlich wollten sie natürlich einmal ein Geständnis, doch so einfach würde er es ihnen nicht machen, obwohl er natürlich auch wusste, dass es eigentlich keinen Ausweg gab; wie der Bulle schon sagte, er war bei der Katastrophe um Igor und seine Bande dabei gewesen; zum zweiten, und das war wohl das wichtigere, wollten sie natürlich wissen, ob ihnen doch noch welche durch die Lappen gegangen waren, so wie er und Rick... Franko überlegte kurz, ob er ihnen vielleicht doch von Rick erzählen sollte; immerhin lag dieser wehrlos in der Hütte. Es wäre ein leichtes, ihn sich zu schnappen. Dennoch wusste auch er, dass Rick nicht wehrlos war, er hatte eine Waffe, und schießen würde er können, wenn er nicht wieder mit anderen Dingen "beschäftigt" war...
Franko riss sich zusammen. Nein, er war kein Verräter! Das galt auch für seine ehemaligen "Kollegen", von denen sicherlich der e eine oder andere in dem Gewusel ebenfalls entkommen war, doch er hatte ohnehin keine Ahnung, wer erschossen wurde, und wem es, und wem es, eventuell - neben ihm - noch gelungen war, abzuhauen. Vielleicht ja tatsächlich auch niemandem, woher sollte er das wissen? Aber klar, wenn er die Namen preis gab, dann wäre es für die Bullen ein leichtes, diese mit dem kriminaltechnischen Untersuchungen der Leichen, und dem Vorstrafenregister abzugleichen. Dann wussten sie, wen es getroffen hatte, und wer eventuell noch am Leben war. Doch auch Franko wusste, dass diese ohne Igor nichts waren. Igor war der Kopf der Schlange gewesen, ohne ihn würden die anderen nur lebende Teile ohne Gehirn sein. Keiner von ihnen würde noch seinen "Job" ausführen, sie würden, ähnlich wie zuvor er und Rick, irgendwo im Untergrund stecken, und solange nicht heraus kommen, bis Gras über die Sache gewachsen war. Und das war vermutlich eine sehr, sehr lange Zeit... Also schwieg Franko weiter und blickte erneut auf seine Handschellen herab, als gäbe es nichts interessanteres...

Robert merkte, dass er so nicht weiter kam. Er versuchte es noch einmal: "Hören Sie, ich biete Ihnen einen guten Deal an: Nennen Sie mir Namen, und wir können über einen eventuellen Strafnachlass reden. Na, wie hört sich das an?" Auch hier kannte Franko den Trick. Der "gute Cop" sprach, immer schön einschleimen und Versprechungen machen, von denen man nicht wusste, ob diese auch tatsächlich eingehalten werden würden. Er fragte sich, wann der "böse Cop" zum Einsatz kommen würde...
Wieder schwieg er, da er sich auch hier nicht vereinnahmen lassen würde. Und schließlich kam das Unvermeidliche: Robert schwieg und rückte seinen Stuhl ein klein wenig zurück, scheinbar in der Absicht, es sich ein wenig bequemer machen zu wollen, und in der gleichen Sekunde schoss sein Partner nach vorne und griff Franko ans T-Shirt: "Jetzt hör mal zu, du kleine Kanalratte, ich werde dir alle Zähne aus dem Gesicht schlagen, wenn du nicht endlich redest! NA LOS! WIR WOLLEN NAMEN!!!" Bevor Franko dazu kam, etwas zu erwidern, griff Robert ein. Er war aufgestanden und legte seinen Arm auf die Schulter des anderen Kommissars. "Hey, lass gut sein! Solche Sitten unterstütze ich nicht!" Und der andere Kommissar ließ ihn los.

Franko war ungefähr klar gewesen, wie es ablaufen würde, dennoch lief ihm schon ein kleiner Schauer über den Rücken, und er musste schlucken. Verdammt, er würde sich doch wohl von so einem vorhersehbaren Schauspiel nicht beeindrucken lassen!
Langsam sah er zu Robert hin und schließlich sagte er doch etwas. Er spie ihm geradezu entgegen: "Ach, Sie brüsten sich damit, dass Sie "anständige Verhörmethoden" anwenden, ganz im Gegensatz zu Ihrem Kollegen? Was ist mit meinem Recht auf einen Anwalt? Ich habe bis jetzt noch keinen gesehen, ist das üblich hier? In meinem Land gibt es einen. Und um es klar zu machen - von mir hören Sie keinen einzigen Mucks. Nicht einen! Selbst wenn Sie mich zusammen schlagen lassen, weil Sie selber zu feige dazu sind! Vergessen Sie es!" und damit schwieg er erneut.

Bei diesen - seinen ersten - Worten, die der Gefangene bis jetzt von sich gegeben hatte, wurde Robert klar, dass es wohl auch die einzigen bleiben würden. Er würde nicht reden. Jedenfalls jetzt noch nicht, und nicht auf diese Weise. Die Zeit des "Weichspülens" war vorbei, und gleichzeitig wusste er aber auch, dass der polnische Kollege nicht noch härter werden durfte. Wirklich ausrasten und zuschlagen durfte er nicht, und das wusste dieser Kerl hier anscheinend. Bei manchen "kleineren" Fischen nutzte die Drohung alleine durchaus schon etwas, um sie einzuschüchtern und gesprächig werden zu lassen, dann noch das Versprechen des Strafnachlasses... Da fing der eine oder andere tatsächlich an, zu reden und seine ehemaligen Partner zu verpfeifen. Aber der Kerl hier war anscheinend anders. Der redete nicht. Und er kannte seine Rechte. Ja, auch Robert war schon aufgefallen, dass hier kein Anwalt zugegen war, was er zwar auf der einen Seite nicht gut hieß, aber auf der anderen Seite war er trotzdem so daran interessiert, hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen, dass er es - zumindest bis jetzt - ignoriert hatte. Doch jetzt wusste er, dass dies nicht mehr möglich war. Der Gefangene redete nicht, und er hatte von sich aus einen Anwalt verlangt. Sie mussten ihm den Wunsch gewähren; trotzdem versuchte er es nun noch ein letztes Mal - dieses Mal mit anderen Methoden.

Er stand kurz auf und zog etwas aus seiner Tasche. Dann setzte er sich wieder und warf das "Etwas" herüber zu Franko, vor dessen Hände, die immer noch auf dem Tisch lagen. "Erkennst du das?" fragte er, und sein Ton wurde schärfer.
Von der vorher noch zumindest offiziell geführten Höflichkeit war nichts mehr übrig geblieben, davon abgesehen, dass er ihn nun plötzlich ungefragt und unvermittelt duzte.
Doch auch das störte Franko nicht, er starrte einfach nur einige Zeit auf das Bild, was plötzlich und in der Tat völlig unerwartet vor ihm lag. Es brauchte einige Sekunden um in seinem Kopf klar zu werden. Woher hatte der Bulle das Bild? Ihm wurde heiß. Er erkannte es schließlich: Es war eines der Bilder, die er von dieser jungen Frau im Krankenhaus gemacht hatte, in Ricks Auftrag. Wie kam das hierher, um Himmels Willen? Jetzt brach ihm tatsächlich der Schweiß aus, und Robert bemerkte es. Genüsslich lehnte er sich zurück und sagte: "Nun, ich denke, unser Gespräch kann noch einmal von vorne beginnen. Wir haben neue Voraussetzungen! Also, falls du dich fragen solltest, woher war dieses Bild haben: Anscheinend war derjenige, der die Bilder geschossen hat, so dämlich eines davon fallen zu lassen. Das wurde gefunden." Er erwähnte nicht von wem: "also, jetzt reden wir Tacheles!" Er beugte sich vor und blickte Franko in die Augen: "Wir gehen davon aus, dass der Kerl, der diese Fotos geschossen hat- wir können uns denken, dass diese nicht das einzige gewesen ist, und die andere Frau sicherlich auch abgelichtet wurde - derselbe ist, der die beiden Frauen auf übelste Art und Weise misshandelt und eben so zugerichtet hat! Und wenn das so ist, dann haben wir hier den Psychopathen vor uns! Also vergiss, was ich eben gesagt habe, von wegen "Strafnachlass" und so weiter; das war, wie du dir ja wohl bereits selbst gedacht hast, nur ein Köder gewesen. Und der Anwalt wird auch noch eine Weile auf sich warten lassen; es sei denn, du machst endlich den Mund auf! Also?"

Franko blickte vom Bild, auf das er die ganze Zeit gestarrt hatte, zu dem Kommissar, der ihm gegenüber saß. So war das also wirklich. Sie glaubten anscheinend allen ernstes, ER wäre der Perversling, der den Frauen das angetan hatte? Sie verwechselten ihn mit Rick?
Das ließ ihn in der Tat erst einmal nach Luft schnappen. Ja, er dachte in der Tat innerhalb einer Millisekunde daran, jetzt und hier, den Mund aufzumachen, und den Kerlen zu sagen, dass er selbstverständlich NICHT Rick war! Verdammt, wie konnte ihm nur diese Unachtsamkeit passieren, dass er tatsächlich ein Bild verloren hatte? So eine Scheiße...
Doch er wusste, dass er weiterhin nichts sagen durfte. Er konnte und wollte nichts zugeben und er wollte auch Rick nicht verraten. Langsam hatte er sich wieder im Griff: "Sie können mir gar nichts! Das Bild kann auch jemand anderes geschossen haben! Woher wissen Sie, dass ich es war? Haben Sie Beweise? Und ich sage hier gar nichts ohne meinen Anwalt!" fügte er noch hinzu und blickte Robert fest in die Augen.

Diesem war klar, dass sie so nicht weiter kamen. Weder das jetzt, noch das "Spielchen", das sie zu Beginn versucht hatten, klappte bei dem Kerl. Er sah, wie der polnische Kollege erneut vorpreschen wollte,  und schüttelte beinahe unmerklich den Kopf. Dieser hielt ein und Robert nahm sich das Bild wieder. Dann stand er auf, blickte zu dem anderen Kommissar herüber und beide wandten sich zum Gehen. Beim hinaustreten aus dem Zimmer sagte Robert zu dem Wachposten: "Er kommt wieder in seine Zelle. Und lassen Sie ihn telefonieren..." Damit gingen sie hinaus. Hinter ihnen wurde Franko abgeführt.
Als sie draußen waren funkelte der andere Kommissar Robert an: "Wieso haben Sie es mich nicht noch einmal versuchen lassen? Sie haben es dem Kerl doch viel zu einfach gemacht!" Er war wirklich wütend. Robert konterte: "Und wie bitte, hätten Sie es noch einmal versucht? Es war wohl erkennbar, dass er nicht reden wollte und auch weiterhin nicht redet! Da hätte es auch nichts genutzt, wenn Sie ihm die Zähne eingeschlagen hätten..." fügte er noch etwas bissig hinzu. Dann fuhr er fort, ohne dem Kollegen eine Gelegenheit zu geben, zu antworten: "Zudem hat er leider Recht. Er hat das Recht zu schweigen UND auf einen Anwalt! Und dieses Recht scheinen Sie ihm bis jetzt nicht gewährt zu haben - also haben wir leider gar nichts gegen ihn in der Hand. Ich werde jetzt einen anderen Weg einschlagen, um gegebenenfalls etwas heraus zu finden. Und ich raten Ihnen und Ihren Kollegen gut, sich ab jetzt an internationales Recht zu halten. Wir sehen uns wieder; schönen Tag noch!" Dann ging er.

Robert war ebenfalls wütend, doch er versuchte, es sich nicht allzu sehr anmerken zu lassen. Das war gehörig schief gelaufen, doch jetzt hatte eine neue Idee in ihm Einzug gehalten. Irgendwie fand er das ganze Verhalten dieses Typen merkwürdig. Er hatte jetzt nicht so wirklich die größte Erfahrung mit Psychopathen, denn er war kein Verhaltensanalytiker für diese Typen, dafür gab es eine eigene Abteilung, aber trotzdem hatte er es im Gespür, dass sich ein Psychopath, mit dem sie es wohl hier zu tun hatten, irgendwie anders verhalten hätte.
Zudem hatte der Kerl leider Recht, nicht nur mit der Sache mit dem Anwalt. Er hatte gemeint, sie hätten gar nichts gegen ihn in der Hand, und Robert hatte zwar, direkt nachdem er von den Bildern erfahren hatte, eine Anfrage an das Krankenhauspersonal gestellt, ob es Fotos der Kameras gab, die vielleicht den Täter aufgenommen haben könnten. Leider war dies erfolglos gewesen.
Aber das hieß ja nicht, dass er es nicht noch einmal versuchen könnte. Vielleicht zeigten die Fotos jetzt etwas? Vielleicht hatten die Mitarbeiter einfach noch nicht richtig nachgeprüft, so auf die Schnelle? Außerdem wollte er jetzt auch noch mal nach den jungen Frauen sehen. Rea Garvey würde sich ja wohl in der Zwischenzeit beruhigt haben und Robert hoffte inständig, dass der Zustand der jungen Frauen immer noch stabil sein würde. Nicht auszudenken, wenn es sich ins Gegenteil verändert hätte...

Außerdem reifte in ihm noch eine weitere Idee: Wenn sie tatsächlich aufgewacht sein sollten, und damit vernehmungsfähig wären, könnte er sie befragen. Vielleicht würde er so mehr heraus bekommen als aus diesem verstockten Mistkerl? Die Befragung war jedenfalls - vorerst noch - ein Griff ins Klo gewesen.
Also machte er sich auf den Weg und war einige Zeit später im Krankenhaus angekommen. Er hatte ein Foto dabei, das Franko in dem Raum zeigte, in dem das Verhör stattgefunden hatte. Das wollte er entweder Lia Dixon oder Jessica Meurer zeigen, sollte es tatsächlich möglich sein, diese zu befragen. Er wusste es natürlich nicht. Trotzdem lief er zuerst zum Empfang und ließ sich zunächst noch einmal zu dem Mitarbeiter bringen, der für die Kameras zuständig war.
Sie überprüften noch einmal, dieses Mal um einiges akribischer, ob es nicht doch zumindest ein Foto von diesem Kerl gab, das ihn an diesem Tage zeigte, und siehe da, es fand sich tatsächlich eins. Wie es dem vorigen Mitarbeiter, der die Kameras zuvor bearbeitet hatte, entgangen sein konnte, wusste Robert nicht, es machte ihn auch ein wenig wütend, aber er schluckte seinen Groll herunter. Man konnte es nicht mehr ändern. Zumindest wussten sie jetzt, dass der Kerl tatsächlich derjenige war, der hier eingedrungen und die Bilder gemacht hatte, allerdings war das immer noch kein Beweis dafür, dass er der Psychopath war, den sie suchten...

Robert musste Gewissheit haben, und so nahm er die Beweisfotos an sich - jetzt hatten sie zumindest etwas gegen diesen Kerl in der Hand, mehr als vorher; bis jetzt wussten sie ja lediglich, dass er irgendwie zu der Bande gehörte, mehr allerdings noch nicht, und ging als nächstes in die Intensivstation. Er wusste ja, wo die jungen Frauen lagen, denn dorthin hatte er sie eigenhändig verlegen lassen, nachdem Rea das Foto entdeckt hatte.
Schließlich kam er an. Der Polizist, der zur Bewachung angestellt war, grüßte, und er grüßte kurz und förmlich zurück, dann klopfte er kurz einmal an und trat ein. Die Tatsache, dass niemand von den anderen draußen saß, ließ ihn jedenfalls hoffen. Das musste ja einen Grund haben. Und dann sah er auch schon, welchen. Tatsächlich schienen beide jungen Frauen aufgewacht zu sein. Er sah auf der rechten Seite Rea neben der einen jungen Frau - Lia Dixon, wie er sich erinnerte - sitzen, dieser hielt ihre Hand in seiner (...)
Auf der linken Seite lag die andere junge Frau, Jessica Meurer und um sie herum saßen und stande schon wesentlich mehr Leute. Direkt an ihrem Bett saßen ebenfalls zwei junge Frauen, die sich mit ihr unterhielten, man konnte schon eher sagen, sie hielten einen Monolog. Etwas weiter dahinter standen die Psychologin und die Männer von Boss-Hoss.

Die Jungs und Jennifer sahen den Kommissar zuerst. Sie wandten sich zu ihm hin und Alec kam auf ihn zu: "Herr Kommissar Schmidt - haben Sie Neuigkeiten für uns?" Bei seinen Worten sah auch Rea auf. Er bemerkte ihn erst jetzt. Auf seiner Stirn breitete sich eine Falte aus.
Robert beeilte sich zu antworten: "Nun, zuerst einmal möchte ich Ihnen sagen, dass ich froh bin, die beiden jungen Frauen wach zu sehen. Ich hatte gehofft, dass es mir möglich wäre, ihnen ein paar Fragen zu stellen. Also, wenn es möglich wäre, dies jetzt und hier zu tun..."
Rea fiel ihm ins Wort: "Nur deswegen sind Sie here? Sie wussten doch gar nich, dass die beiden mittlerweile wach sind, oder?" "Nein, das wusste ich nicht, und ich bin auch nicht nur deswegen hier.. Es hatte durchaus auch noch einen anderen Grund, und ich habe das eine mit dem anderen verbunden. Aber es sieht ja nun so aus, als hätte ich Glück... Also, wenn es möglich ist, so viel Besuch zu empfangen, dann wäre eine kurze Befragung meinerseits doch sicherlich auch möglich, oder?" Er blickte Rea ins Gesicht. Dieser wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als Lia antwortete:

"Ist schon gut, Sie können mich befragen, Kommissar... Tun Sie sich keinen Zwang an!" Ihre Stimme war klar und fest. Es hörte sich so an, als wäre sie stark genug, die Befragung durchzustehen; doch zumindest Rea wusste, dass Lias Stärke auch gespielt sein könnte. Sie war gut darin, ihre eigentlichen Gefühle zu verstecken. Und auch der Kommissar hatte genug Ahnung von seinem Job, dass auch er wusste, dass es manche Opfer gab, die sich selbst belogen und ihm und anderen etwas vormachten. Ob diese junge Frau auch dazu gehörte, wusste er nicht, trotzdem war er als Kommissar hier und nicht in der Rolle eines Psychologen. Dazu war ja diese Jennifer Goldhaar hier. Auch an ihren Namen erinnerte er sich wieder.
Schließlich kam er an Lias Bett heran. Rea blickte ihn leicht misstrauisch an. "Keine Sorge, ich werde zu Beginn nur ein paar Fragen stellen, wenn es geht, dann auch an die andere junge Frau..." wollte er anfangen, als ihm Jennifer das Wort abschnitt: "Ich denke, es wird vielleicht erst einmal reichen, wenn Sie Lia befragen - solange sie es zulässt und es ihr nichts ausmacht! Jess ist meiner Meinung nach noch zu schwach dafür. Jede Form der Aufregung ist schlecht für ihren, derzeit noch extrem labilen psychischen Zustand..." begann sie, doch dann mischte sich auch Jess ein, die bis jetzt noch ruhig gewesen war: "Schon gut, wenn, wenn Sie Fragen an mich haben, dann stehe ich Ihnen auch zur Verfügung.." sagte sie mit matter Stimme. Robert merkte schon, dass es dieser Frau um einiges schlechter ging, als der anderen. Zumindest psychisch...
Er lächelte nur und antwortete: "Nun, wir werden sehen, wie weit ich hier komme, in Ordnung? Lassen wir uns einfach einmal anfangen", und er wandte sich wieder vollständig Lia zu: "Also Ihr Name ist Lia Dixon?", fragte er erst einmal, um Förmlichkeiten auszutauschen und zückte ein Notizbuch. Lia nickte. "Ja, aber das wissen Sie garantiert schon, oder? Haben Sie dieses Schwein?" fragte sie plötzlich unvermittelt und Robert sah in ihren Augen etwas aufblitzen, was er nur zu gut kannte, und als das interpretierte, was es war: Hass... Rea erschrak ebenfalls und sprach sie an: "Lia!" Bevor sie etwas antworten konnte, beantwortete Robert ihre Frage: "Nun, genau darum geht es gerade... Zuerst einmal möchte ich von Ihnen wissen, was genau geschehen ist, an was Sie sich alles erinnern. Von Anfang an! Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, und wenn es nicht mehr geht, dann hören Sie auf. Also, bitte."

Lie entspannte sich wieder etwas, und setzte sich im Bett so gut sie konnte in eine bequeme Position. Als sie begann zu erzählen war es ruhig in dem Raum, und die anderen sahen alle zu ihr herüber, auch Jess. "Also gut... Jess und ich wollten ins Kino. Aber dazu kam es nicht mehr... Kurz bevor wir dort ankamen, hörten wir plötzlich übles Geschrei, mehrere Männer stritten sich, und irgendwie kam uns das komisch vor. Wir haben uns versteckt, damit die uns nicht sehen sollten. Wir kamen nicht weg, und hatten nur die Hoffnung, dass die bald aufhören würden - aber es wurde nur noch viel schlimmer!" Lia zog kurz die Luft ein, dann fuhr sie fort. Rea hatte ihre Hand genommen und drückte sie, mehr sagte er nicht. Auch er hörte gebannt den Erzählungen seiner Liebsten zu. Es war auch für ihn das erste Mal, dass er die ganze Wahrheit erfahren würde; soweit Lia sie erzählen konnte...
"Plötzlich ging alles ganz schnell... Einer der Typen begann, einen anderen zu verprügeln, die anderen "halfen" ihm dabei; dann nahm der eine Typ eine Pistole - und knallte den anderen ab! Einfach so, ohne Warnung, hat er den Typen in den Kopf geschossen..." Sie hörten ein Keuchen von Jess, anscheinend erinnerte sie sich auch wieder. Steffi saß bei ihr und drückte auch ihre Hand. "Sch... Vielleicht ist es doch noch zuviel..." Jess schüttelte den Kopf, sie musste weiter zuhören, auch, wenn es bedeutete, sich an das Grauen zu erinnern. Aber es nütze ja nichts...

Lia erzählte weiter: "Wir wollten abhauen, nur schnell weg, bevor uns die Mörder sehen konnten! Aber dazu kam es nicht mehr... Bevor wir fliehen konnten, standen plötzlich zwei andere Typen hinter uns, die war gar nicht hatten kommen sehen und hören... Keine Ahnung, woher die kamen, jedenfalls hielten die uns Waffen an die Schläfen... Ich hab echt gedacht, das war es jetzt, die knallen uns ab - und ich glaube, das wollten die zuerst auch; aber dann sagte der eine von denen, dass Igor noch was mit uns anfangen könnte. Und so haben die uns zuerst gezwungen, unsere Handys wegzuschmeißen, und uns dann "ausgeknockt", in dem sie uns ihre Waffen auf den Kopf gedonnert haben. Mehr weiß ich erst mal nicht, wir sind dann später in diesem grauenhaften Verlies wieder aufgewacht..."
Lia musste sich unwillkürlich, und ohne es zu merken, schütteln, als sie daran dachte. Es war wirklich grauenhaft gewesen...

Robert überlegte fieberhaft, was er bis jetzt gehört hatte. Also da passte schon einmal ein Bild zusammen. Sie hatten einen Toten gefunden, der ermordet worden war. Und den Mord hatten die beiden jungen Frauen also anscheinend tatsächlich beobachtet, so, wie er es sich bereits zuvor gedacht hatte. Aber wieso hatten sie die beiden mitgenommen, anstatt sie direkt an Ort und Stelle zu ermorden, wie es normalerweise bei Zeugen so üblich war? War es ihnen von Anfang an klar gewesen, dass "Igor" - wohl der Kopf der Bande - etwas mit ihnen anfangen konnte?
Bevor er dazu ansetzen konnte, Lia zu fragen, hatte Rea das Wort ergriffen. Sanft sprach er Lia an: "Lia, du hattest doch erzählt, dass diese Kerle euch erkannt haben, wenn ich das richtig verstanden hab? Aus "The Voice"?"
Der Kommissar sah ihn an. Bevor er etwas fragen konnte, antwortete Lia: "Ja, wie ich schon sagte, dieser Kerl nannte uns "Goldkehlchen" und Rick, dieser Schweinehund, hat mir gedroht, dass er dir etwas antun würde..." Diese scheinbar zusammenhanglos zusammen gewürfelten Sätze irritierten den Kommissar: "Augenblick: Also, einer der Entführer nannte sie "Goldkehlchen"? Und "Rick" hat Ihnen gedroht, Rea etwas anzutun?"

Lia ahnte, dass sie etwas ins Detail gehen musste, obwohl es ihr langsam tatäschlich immer unangenehmer wurde. Trotzdem riss sie sich zusammen: "Also, am Anfang waren da drei Typen, als wir wohl gerade wieder wach geworden sind. In diesem Drecksloch. Die haben gemeint, dass Igor kommen, und sich uns ans anschauen würde. Und ja, einer nannte uns "Goldkehlchen". Mir ist auch schon in den Sinn gekommen, dass die uns erkannt haben... Und später, als der Dreckssack mir diese Scheiße hier", sie sah unwillkürlich auf ihre verbundenen Arme, "in die Haut geritzt hat, da hat er diese Drohung gegen Rea ausgesprochen..." Wieder hörten sie Jess auf der anderen Seite leise aufschluchzen. Auch sie blickte auf ihre Arme. Wieder war Steffi bei hr, um sie zu trösten.

Der Kommissar fuhr sich durch die Haare. Also das gab der Sache natürlich einen zusätzlichen Impuls. Bis jetzt hatten sie geglaubt, die beiden wären entführt worden, weil sie Zeugen eines Mordes geworden waren und alles andere war Zufall gewesen. Die Frage, warum sie nicht direkt getötet worden waren, erklärte sich hiermit im Grunde auch...
Doch er fragte noch nicht weiter, sondern ließ Lia reden, im Augenblick schien sie noch kräftig genug zu sein. Im Grunde erzählte sie dann noch alles, was sie Rea zuvor schon berichtet hatte; die versuchte Vergewaltigung an Jess - und den Mord an Erik. Als sie an diesem Punkt ankam, musste Robert sich kurz zusammen reißen. Also hatte dieser Psycho auch seinen Kommissar getötet! Er musste Gewissheit haben, ob sie diesen Kerl in Gewahrsam hatten, oder nicht; doch auch, wenn es ihm jetzt immer schwerer fiel, noch hörte er weiter zu, solange es der jungen Frau möglich war. Noch schien sie ihm stark zu sein, doch wer wusste, wie lange noch, und ob das nicht alles nur "gespielt" war...
Lia machte weiter. Sie erzählte in Einzelheiten, wie Rick sie gewzungen hatte, bei der Folter und dem anschließenden Mord an Erik zuzusehen - und Jess, die natürlich alles hörte, rannen die Tränen. Sie wusste nicht mehr ganz so viel voön allem, was geschehen war, die meiste Zeit war sie ja ohnehin bewusstlos gewesen, doch das hatte auch sie noch in Erinnerung. Und es kam wieder hoch. Die schrecklichen Bilder, wie Rick ihn...  Auch Dana begann, sie vorsichtig zu streicheln, und Jennifer hoffte, dass die Befragung bald zu Ende sein würde. Auch, wenn Lia die Befragte war, so schien es Jess beinahe mehr an die Nerven zu gehen. Doch Jennifer wusste, dass dies täuschen konnte. Sie hatte im Gefühl, dass Lia nicht halb so stark war, wie sie hier und jetzt tat, auch sie war labil, so ein furchtbares Erlebnis konnte nicht spurlos an ihr vorbei gehen. Doch sie war gut darin, ihre wahren Gefühle zu verbergen - und Jennifer wusste, dass das nicht gut war. Gar nicht gut...

Doch die Befragung war noch nicht zu Ende und Lia beendete sie auch nicht. Tapfer erzählte sie weiter, nach dem Mord kam sie zu den Verletzungen mit dem Messer bei Jess, beziehungsweise bei ihr, mit der Rasierklinge. Wieder starrte sie auf ihre Arme, und auch Jess konnte erneut nicht anders.
Steffi nahm ihren Arm und "zwang" sie, sie anzusehen. "Sch... Hey, sieh mal, hier", und sie zog ihr Oberteil ein wenig an der Schulter herunter, damit Jess ihren Drachen sehen konnte. Den wunderschönen, immer noch in den wunderbaren, in allen Blautönen schimmernden Drachen, den sie sich ein halbes Jahr, nach Jess' Geburtstag, hatte stechen lassen. Auch Dana machte es ihr nach, und Jess sah ihren Drachen, der aus den wunderschönsten Rottönen bestand, die auch ins Orangene gingen.
Schließlich zog Steffi Jess' Krankenhauskittel leicht herunter, nur so weit, dass auch ihr Drache zu sehen war. Die Schnitte waren an Jess' Unterarmen, bis hoch zu ihren Armbeugen, aber der Drache, an ihrem Oberarm, war unversehrt. Und Jess blickte auf ihren wunderschönen, smaragdgrünen Drachen, der sich um denselbigen wandt. Und sie erinnerte sich wieder an die schöne Zeit, ihren Geburtstag, als sie zuerst die Vorlage dazu "aufgemalt" bekommen hatten, bevor es langsam verblasst war, und sie sich alle drei dazu entschieden hatten,  es sich doch stechen zu lassen. Dankbar lächelte sie ihre Freundinnen an. Der Anblick ihrer Drachen, die alle drei ein Zeichen der Zusammengehörigkeit waren, ließ es ihr wieder besser gehen.
Dafür gab es Lia einen Stich in die Brust. Sie wusste selber nicht wieso; kannte sie doch diesen dämlichen Drachen, sie hatte ihn schon mehrfach bei Jess gesehen, als sie zusammen schwimmen gewesen waren, zum Beispiel. Und sie kannte die Geschichte dazu. Und trotzdem ärgerte es sie, das nun zu sehen, ohne genau zu wissen, wieso eigentlich...

Aber egal. Sie erzählte weiter, und kam nun langsam zum Schluß. Mehr gab es im Grunde auch nicht zu erzählen, und das sagte sie schließlich dem Kommissar auch.
Dieser nickte. Für den Anfang war es wirklich viel gewesen, was er zu hören bekommen hatte, das war er von anderen Opfern gar nicht gewohnt... Diese Lia schien wirklich etwas besonderes zu sein. Ein Opfer mit einer besonders harten Schale -  Oder irrte er sich? Etwas war an ihr, was ihn irritierte, und ihm Sorgen bereitete. Dieser Blick, ganz am Anfang... Aber dann riss er sich wieder zusammen. Im Grunde war er fertig, und er dachte auch nicht mehr daran, noch Jess zu befragen. Das, was er wissen musste, hatte er nun erfahren; es war auch einiges neues dabei gewesen. Und er bezweifelte, dass die andere junge Frau, die dazu noch ziemlich labil zu sein schien, noch mehr - oder anderes - wusste, als es diese Frau hier tat.
Doch eines musste er noch wissen: Kurz bevor er gehen wollte, zog er das Bild aus der Hosentasche, das er von dem Gefangenen gemacht hatte und sagte: "Nun, um zu Ihrer Frage vom Anfang zurück zu kommen: Wir haben bei einem Einsatz einen Verdächtigen festnehmen können. Ich möchte Sie bitten, sich dieses Bild einmal anzuschauen. Erkennen Sie ihn wieder?" Er wollte es so unverfänglich wie möglich aussehen lassen, und ohne den Verdacht zu erregen, dass dieser Verdächtige der Psychopath sein könnte; doch natürlich war Lia nicht so dumm, es nicht zu erraten.
Auch Rea spannte sich an, als er sah, wie der Kommissar Lia das Bild reichte. Er schaute ebenfalls darauf und seine Augen verengten sich. Das sollte der Bastard sein?
Doch Lias Augen sagten alles. In ihnen stand Enttäuschung, als sie sich das Bild angesehen hatte, das sie zuerst voller Hoffnung, und Anspannung, entgegen genommen hatte. Ihr Herzschlag hatte sich leicht erhöht, doch jetzt wurde er wieder normal: "Nein, das ist er nicht... Kann sein, dass ich den Kerl schon mal bei Igor und Rick oder auch bei Erik habe stehen sehen; aber wirklich was getan hat der Knilch nicht.. War wohl eher so ein Wasserträger..." Die Aussage war niederschmetternd. Also war es definitiv nicht dieser "Rick", den sie immer noch nicht aufgegriffen hatten. Dieser "Igor", von dem Lia gesprochen hatte, war bei den erschossenen Bandenmitgliedern dabei gewesen. Von dem hatten sie auch ein Vorstrafenregister entdeckt. Er wurde gesucht. Es konnte nur derselbe sein. Wenn es nicht noch einen mit diesem Namen gab, aber die Wahrscheinlichkeit war nicht sehr hoch. Also war das der Anführer gewesen, den sie erschossen hatten. Zumindest das war schon mal ein Erfolg...
Aber trotzdem. Verdammt, der Psychokiller lief vermutlich immer noch frei herum, und das war derselbe, der ihren Kollegen umgebracht hatte! Sie mussten ihn kriegen!

Dann riss er sich zusammen und sagte: "In Ordnung, das war es jetzt erst mal, ich denke, fürs erste reicht das auch. Jessica Meurers Aussage brauche ich vorerst nicht, Ihre war vollkomme ausreichend. Wenn Ihnen noch etwas hilfreiches einfällt, dann rufen Sie mich bitte an, ansonsten war es das jetzt erst einmal. Wenn mir noch etwas einfallen sollte, werde ich noch einmal wieder kommen. Auf Wiedersehen." Dann wandte er sich zum Gehen. Lia hielt ihn noch einmal kurz an. "Warten Sie, dieser Kerl, Sie haben ihn? Weiß er, wo Rick ist? Lebt der Bastard noch?" Und wieder blitzte es in ihren Augen. Der Kommissar sah sie an. Langsam machte er sich Sorgen... "Das gehört zu internen Kreisen, über die ich nicht reden kann, schon gar nicht mit Ihnen oder Ihrer Freundin. Und jetzt entschuldigen Sie mich, und danke, Ihre Aussage war sehr hilfreich" Und damit verließ er das Zimmer. Rea folgte ihm und hielt ihn draußen noch einmal auf: "Warten Sie! Ich finde die Frage meine Lebensgefährtin nicht so falsch! Denken Sie, dass diese Kerl noch lebt? Ist er noch eine Gefahr fur sie und Jess?" Robert blickte ihn an. Es sprach echte Sorge aus seinem Blick. "Ich sage Ihnen jetzt noch einmal etwas, Mr. Garvey, was ich dort drinnen nicht sagen konnte: Diesen Kerl hier haben wir in Gewahrsam, und wir wissen zumindest, dass er es war, der die Bilder gemacht hat! Dafür haben wir jetzt Beweise, die wir zuvor nicht hatten. Deswegen musste ich wissen, ob er dieser "Rick" ist, der die Frauen so zugerichtet und meinen Kollegen ermordet hat; wie wir nun wissen, ist er es nicht! Aber irgend eine Verbindung muss zwischen ihnen bestehen, und die werden wir nun heraus finden. Was genau werde ich Ihnen sicherlich nicht mitteilen. Ich muss nun meine Arbeit weiter machen. Ach, nur noch eines, bevor ich gehe.." und er schaute Rea direkt und unverwandt an: "Achten Sie auf Ihre Lebensgefährtin! Ich meine nicht, wegen des Kriminellen, da sehe ich erst einmal keine Gefahr, die beiden werden 24 Stunden überwacht, solange wir ihn nicht gefasst haben, oder sicher sein können, dass er tot ist! Aber da war etwas in ihrem Blick, das ich nur zu gut kenne.. Ich weiß nicht, wie gut Sie sie einschätzen können, aber ich würde es als "Rachegefühle" interpretieren... Achten Sie darauf, dass sie keine Dummheiten macht, wenn sie hier wieder heraus kommt..." Dann drehte er sich um und verließ endgültig das Krankenhaus. Rea blickte ihm irritiert hinterher und ging schließlich mit leicht rumpelndem Magen wieder in das Zimmer zurück. Was sollte er von den Worten des Kommissars halten?...

Robert wusste jetzt, dass der Gefangene nicht der Psychopath war, aber, wie er ja nun auch Rea mitgeteilt hatte, könnte es ja trotzdem einen Zusammenhang geben, von dem sie jetzt noch nicht ahnten. Vielleicht kannten sich die beiden näher? Wenn es so war, würde er nun noch einmal probieren, dies aus ihm heraus zu bekommen. Und dieses Mal hatte er mehr in der Hand. Immerhin die Beweisfotos, dass er derjenige war, der unrechtmäßig in die Station eingedrungen, und die Bilder geschossen hatte. Und das andere würden sie auch noch heraus finden; hauptsache war nur, dass dem Kerl ein Anwalt zur Verfügung gestellt worden war, damit er ihnen nicht wieder feixend einen Strich durch die Rechnung machte.
Sie mussten dieses Mal die Oberhand behalten - und das ging nur, wenn sie sich an die Regeln hielten. Sie durften diesen Kerl nicht wegen Formfehler verlieren! Und so nahm sich Robert vor, sich zuerst mal seine polnischen "Kollegen" vorzunehmen. Denn so, wie die es bis jetzt wohl gehandhabt hatten, lief es nicht mehr. Nicht in diesem Fall, der im Grunde von Anfang an seiner war, und nicht in seinem Besein! Schließlich kam er wieder im Gefängnis an...

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Christal, 31
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